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Sonntag, 31. Mai 2015

Social Proof

Crowd

Warum zusammen mit anderen meditieren / Yoga machen?

Ich werde nicht über die Gruppen-Energie reden. Wenn du schon weißt, was ich meine, dann brauchst du nicht mehr überzeugt zu werden. Und wenn nicht, wird es nur noch schlimmer :-)

Ich möchte euch ein Prinzip vorstellen. Cialdini nennt es Social Proof.

Social Proof besagt, dass es uns viel leichter fällt, uns für etwas zu begeistern, wenn viele Leute das Gleiche tun. Wir entscheiden uns bei Amazon eher für etwas, wenn es mehrere gute Bewertungen hat. Und mehr likes sind immer besser als wenige!

Stell' dir die klassische Situation vor: Du bist der einzige in deiner Familie, der meditiert / Yoga macht. An einem schönen Abend merkst du, dass die Zeit und die Gestirne dafür günstig wären… und so willst du meditieren / Yoga machen… aber es sind schon ein paar Augen, die das nicht so gerne sehen! Und schon ist die Luft raus und die Meditation / Yoga als solches nicht mehr so erstrebenswert!

Stell' dir nun dieses andere Szenario vor: Nach einem langen Freitag und einer vollen Woche wolltest du eigentlich nur noch ins Wochenende - aber da ist noch ein Termin abzuhaken, der Yogakurs am Freitag (welcher Idiot wählt gerade Freitag Abend für überhaupt irgendetwas?!). Mit schweren Beinen und Begeisterung im Nachkommabereich kommst Du rein… aber hey! Da sind schon X und Y… und Z kommt doch noch, wenn auch ein bisschen später! Du siehst sie alle nicht, nimmst sie nur diffus irgendwo im Raum wahr, mitatmend, mitmachend… du weißt aber, dass sie alle da sind und alle das gleiche machen wie du… und nach nur ein paar Sonnengrüßen scheinst du immer da gewesen zu sein! Der Yogakurs ist genau das, wonach du dich nach so einer Woche gesehnt hast… und wenn die Meditation zu Ende ist, würdest so gerne noch ewig weiter machen.

(und wenn der UPS-Typ mit einer verspäteten Lieferung den Raum platzt, der voll mit meditierenden Leuten ist, wird sogar er unaufgefordert augenblicklich still! :-)

Das Social-Proof-Prinzip wirkt, auch wenn du es gar nicht gekannt hast. Oder vielleicht gerade deswegen.

Nun kennst du es.

Viele Leute wenden es an! ;-)

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Dienstag, 28. Mai 2013

Der Admirals Tee, oder Tapas 1x1

Mein Leben ist schnell und ich habe den Verdacht, dass eures auch nicht viel langsamer ist :-). Es gibt unzählige Aufgaben, die der Alltag mit sich bringt und von uns Aufmerksamkeit, Energie und Zeit verlangen.
Letztere sind nicht unendlich verfügbar, daher die Notwendigkeit einer spirituellen Praxis, die unsere Gesundheit auf allen Ebenen erhält.
Und Tapas ist ein Element jeder spirituellen Praxis.

Lasst uns mit Hilfe der üblichen W-Fragen mehr Licht in das Thema bringen.

Was ist Tapas?

Tapas ist die Ausübung von physischer und geistiger Strenge und Disziplin, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sagt Wikipedia. Tapas ist eine der fünf Niyamas auf dem achtfachen Yogapfad (Ashtanga Yoga).

Tapas bezeichnet also eine Herausforderung an uns selbst, die wir durch eine konzentrierte, zielgerichtete Anstrengung für eine begrenzte Zeit angehen, um ein bestimmtes Resultat zu erreichen.
Wenn man das so sieht, verliert Tapas den exklusiven, asketischen Sanskrit-Touch :-) und wird Teil unseres normalen Lebens, da wir immer hinter einem bestimmten Ziel her sind und uns darauf konzentrieren.
Tapas ist also nur der yogische Begriff für das, was wir immer tun, wenn wir etwas erreichen wollen.

Warum?

Strenge und Disziplin klingen nicht gerade nach Spaß :-)... warum sollte man so etwas machen? Ist das Leben nicht schon hart genug?!

Wir wissen aus Theorie und eigener Erfahrung allzu gut, dass alle Systeme zum Gleichgewicht tendieren, zu einem Zustand der Stabilität. So schön und vernünftig das auch klingt, bedeutet dieses Gleichgewicht nichts anderes als Stillstand, und jeder Stillstand ist Tod! Damit man am Leben bleibt, ist also eine ständige - wenn auch nur kleine! - Veränderung notwendig.

The measure of intelligence is the ability to change. - Albert Einstein

Tapas ist das Feuer, das diese Veränderung mit sich bringt und dadurch unser Leben warm hält. Tapas ist also Leben. Es gibt kein Leben - und auch kein Yoga - ohne Tapas.

Wofür?

Man macht ein Tapas nicht des Tapas wegen, sondern um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Daher lohnt es sich, im Voraus gut zu überlegen, was genau durch Tapas erlangt werden soll. Schau also tief in dich hinein und überleg, was du brauchst (und nicht, was andere meinen, was du brauchst). Und achte dabei eher auf das, was du langfristig brauchst - auch wenn sich ein Tapas durchaus auch für kurzfristige, kurzlebige Veränderungen eignet.

Wie formuliere ich mein Ziel?

Über Zielformulierung habe ich hier mehr als genug gesprochen.

Wann?

Stell dir, bevor du mit dem Tapas anfängst, folgende Zeit-Fragen:

  • Wann möchtest du anfangen?
  • Wie lange möchtest du (insgesamt und pro Tag) dafür investieren?
  • Wie oft möchtest du das am Tag machen?

und überlege dir die Antworten auf diese Fragen ganz genau. Sie entscheiden oft über den Erfolg deines Tapas.

Wieviel?

Mach dir auch über die Dosis Gedanken.
Überleg dir, wieviel du - nun unabhängig vom Tapas, in Friedenszeiten - von dem, was du erreichen möchtest, täglich bräuchtest, und wähle für dein Tapas mehr!

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Sagen wir mal, dass du es gut finden würdest, wenn du 5 Minuten täglich die Kobrastellung Bhujangasana machen würdest. Dann wähle für dein Tapas 30 Minuten, auch wenn, um das zu erreichen, mehrere Monate notwendig sind (s.a. unten). Dadurch schaffst Du dir die Vorraussetzung dafür, dass nach dem Beenden des Tapas die täglichen 5 Minuten auf alle Fälle gelingen.

Ein anderes Beispiel: Wenn ich mir z.B. wünsche, dass ich täglich die Treppen bis zur 2. Etage, in der ich wohne, laufe, dann wähle ich für mein Tapas die 17 Etagen bis zu meinem Büro.

Das heißt nicht, dass ich ab sofort täglich 30 Minuten Bhujangasana bzw. 17 Etagen steige! Da will ich hin, da will ich ankommen. Ich beginne dort, wo ich im Moment bin - s.a. mehr dazu unten - und arbeite mich langsam zu meinem Tapas-Ziel hin.

Strategien

Es gibt durchaus so etwas wie eine Kunst, ein Tapas zu organisieren, so dass es mit Sicherheit ein Erfolg wird. Wenn du dieses Talent noch nicht dein eigen nennen kannst ;-), beherzige diese sieben Ratschläge von mir:

  1. Schon bevor du anfängst, überleg’ dir einen Plan B.
    Vielleicht hast Du das Glück, ein Leben zu haben, wo alles glatt und in geregelten Bahnen läuft. Wenn dem so ist, dann freu’ dich darüber und mach’ weiter - aber dann bräuchtest du sowieso nicht, diesen Artikel zu lesen (und seit wann gibt's überhaupt Internetanschluß im Kloster?! ;-).
    Für alle anderen: Willkommen im Leben! :-)
    David Allen sagte mal, dass das einzig regelmäßige in seinem Leben das Aufstehen sei... und bei mir ist das auch nicht anders, insbesondere seitdem ich mir seit neuestem wieder mit einem jungen Mädchen 8-) die Nächte um die Ohren schlage.
    Damit du nicht gezwungen bist, bei der ersten Unterbrechung durch ein unerwartetes Ereignis (Weihnachten, Geburtstag, Periode, Sonnenaufgang, unangemeldeter Besuch, evtl. Krankheit, Championsleague, etc.) den Kopf in den Sand zu stecken, mit dem Leben zu hardern und dein neues Tapas aufzugeben, überleg’ dir früh genug, wie du dein Tapas unter allen Umständen weiterführen kannst.
    Was wirst du tun, wenn du dein tägliches Tapas einmal ausnahmsweise nicht wie geplant ausführen kannst? Wirst du es dann später am selben Tag / am nächsten Tag / etc. nachholen? Oder wirst du das Verpasste eher über die nächste Woche / den nächsten Monat verteilen, damit es nicht so viel auf einmal ist? Oder doch eher einen Tag hintendran hängen?
    Der Mensch macht sich Pläne und Gott amüsiert sich..
    Überleg’ dir das früh genug, denn die nächste Störung kommt bestimmt!
    Die Störung ist das Leben ;-)
  2. Fang’ sehr klein an.
    So klein, dass das Tapas gar keine spürbaren Anstrengungen produziert. Beginne also genau dort, wo du dich z.Zt. befindest. Das ist schon viel wert, auch wenn es nicht danach aussieht.
    Zudem gibt es dir eine Information über deine jetzige Grenze -- und Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
    Ist 1 Minute Bhujangasana machbar oder sollte ich lieber mit 30 Sekunden anfangen?
    Und zweitens gibt dir die Bewältigung dieser Mini-Task ein erstes Erfolgserlebnis - und jeder Erfolg, auch noch so klein, macht dich stärker!
  3. Mach’ täglich etwas dafür.
    Täglich ist mein Mantra, klar... und der Garant für deine tiefgründige Veränderung.
  4. Steigere regelmäßig dein Pensum, auch wenn die Steigerung an sich minimal sein kann.
    Zurück zum Kobra-Beispiel von oben: Wenn du mit 30 Sekunden täglich angefangen hast, dann steigere die Dauer während deines Tapas mit einer Sekunde täglich. Und sollte das irgendwann einmal auch zu viel sein, dann steigere in dieser Zeit mit nur einer Sekunde pro Woche! Die Langsamkeit ist kein Nachteil, sondern vielleicht sogar eine Stärke hier (Erinnere dich an die Fabel mit der Schildkröte!)! Hauptsache du stagnierst nicht - du weißt doch, Stillstand ist der Tod!
    Die langsame Steigerung bringt eine Fülle von Vorteilen mit sich. Sicherlich kannst du z.B. nach 20 Jahre sitzender Arbeitstätigkeit & gar kein Sport direkt mit täglich 10 Minuten Joggen anfangen und jeden Tag noch andere 10 Minuten drauf packen, nur wird es irgendwann unendlich schmerzhaft sein, so weiter zu machen und überhaupt zu leben (und ich spreche jetzt nicht nur von körperlichen Schmerzen, sondern auch von der Anstrengung, so viel Zeit in deinem Tagesablauf zu finden und dies noch reibunslos zu integrieren.). Dabei muss Tapas auf keinem Fall ein Sanskrit-Synonym zu Schmerz sein! Steigere dein tägliches Pensum lieber weniger abrupt - z.B. nur 1 Minute mehr pro Woche in dem Jogging-Beispiel von vorhin - dafür aber stetig und langfristig. So wird sich das Tapas harmonischer in deinem Leben einreihen und die damit verbundenen Änderungen werden sich nicht wie eine Vergewaltigung anfühlen, sondern von Innen geschehen.
  5. Steigere solange, bis du dein geplantes Maximum (das mehr als die tägliche Dosis sein sollte, s.o.) erreicht hast, und reduziere dann allmählich bis zu der von dir gewünschten normalen Zeit / Durchführung.
    Das langsame Zurückschrauben auf das künftige normale Niveau ist wichtig! Natura non facit saltus - wer das erkennt und in seinem Leben umsetzt, kommt der Weisheit schon ziemlich nahe.
  6. Belege aber die durch den zeitlich reduzierten Tapas freigewordene Zeit mit etwas anderem - und was eignet sich dafür besser als der Stoff für dein nächstes Tapas?!
    D.h. nachdem du z.B. deine 30 Minuten Bhujangasana erreicht hast, beginnst du die Zeit langsam zu reduzieren, z.B. in Minutentakt: Zuerst 29 Minuten, am nächsten Tag 28 Minuten, am nächsten Tag 27 Minuten... bis du bei den gewünschten 5 Minuten Bhujangasana täglich ankommst. Und schon am ersten Tag, an dem du reduzierst, machst du nach den 29 Minuten Bhujangasana noch 1 Minute etwas anderes (z.b. Shalabhasana). Am folgenden Tag machst du 28 Minuten Bhujangasana, gefolgt von 2 Minuten Shalabhasana... so dass du die bereits für das Tapas belegten 30 Minuten weiterhin nutzt, um - ohne es zu merken! - dein neues Tapas (das z.B. täglich 5 Minuten Shalabasana als Ziel haben könnte) anzufangen.
    Und da kommt die Analogie zum Admirals Tee (kudos gehen an Ilja ;-):
    Man macht sich eine Tasse schwarzen Tee, trinkt davon einen Schluck und füllt die Tasse mit Cognac auf. Das macht man solange, bis nur noch Cognac in der Tasse bleibt.
    Das erklärt vielleicht den schiefen Kurs mancher russischer Schiffe ;-) und gibt dir die Möglichkeit, am Ball zu bleiben mit der Veränderung.
  7. Behalte deine tägliche Dosis ein Leben lang!
    Warum solltest du dich sonst mit so etwas beschäftigen? Du wolltest doch am Anfang eine tiefgründige Veränderung!

Was bringt ein Tapas?

Neben dem direkten Gewinn (= dein Ziel), lernt man während des Prozesses noch eine Menge durch das Tapas.
Ein Tapas bringt mir Antworten zu vielen Fragen, wie z.B.:

  • Was motiviert mich?
  • Was fällt mir schwer?
  • Wo liegen die momentanen Hindernisse?

Auch kann man von einem Tapas vieles lernen, was man beim nächsten Tapas einsetzen kann, und das sogar unabhängig davon, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht. Daher sollte man sich z.B. immer nach Beenden eines Tapas fragen:

  • Wieso ist mir dieses Tapas (nicht) gelungen?
  • War das Ziel gut gewählt und formuliert?
  • Passten das Ziel und meine Anstrengungen energetisch und zeitlich zu den jetzigen Bedingungen?
  • Wo muss ich demnächst besser aufpassen?

Fragen die unausweichlich... zum nächsten Tapas führen!
Ich sagte doch: Tapas ist Leben! ;-)

P.S. Schau dir auch diese Artikel für andere interessante Sichtweisen zum selben Thema an:

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Montag, 17. September 2012

Blasphemy

AudioDharma

Es gibt wenigstens drei gute Grunde, Gil Fronsdal's letzten Vortrag Blasphemy vom 16.09.2012 aus dem mehr als empfehlenswerten Audiodharma-Podcast zu hören:

  1. Das Thema ist gerade jetzt relevant...

  2. ... und doch zeitlos;

  3. Er erklärt noch ausführlicher, was ich in meinem allerersten Artikel gesagt hatte.

Los! :-)

Donnerstag, 3. März 2011

Fokus!

Focus

Kenne deinen Feind und dich selbst, und du brauchst den Ausgang von 100 Schlachten nicht zu fürchten. - Sun Tzu in Die Kunst des Krieges.

Heute möchte ich über einen unserer gefährlichsten Feinde sprechen: Die Zerstreuung.

Kennst Du das auch? Du stehst voller Elan auf (Auf zu großen Taten!) und… abends erwischst Du dich wieder müde, verwickelt in tausend kleine Dinge, die alle irgendwie sooo dringend und ach sooo schnell zu erledigen (oder nur einfach anziehend ;-) waren und dich doch nur von deinem großen Ziel abgelenkt haben?

Die E-Mails, die gecheckt werden müssen, das Telefonat, das doch länger als erwartet gedauert hat, das bisschen Fernsehen (Man sollte doch informiert sein! oder nur 5 Minuten Doctor’s Diary - oder war’s doch Diarrhöe? ;-) - gucken), das bisschen Plaudern mit den Nachbarn, die verlängerte Kaffeepause mit dem Kollegen, dieser interessant klingende Titel in der offen liegen gelassenen Zeitschrift auf dem Tisch… und schon ist der heutigen Tag zu Ende, deine Motivation von heute morgen Geschichte und dein großes Ziel muss (wieder mal!) auf morgen warten!

Wie viele deiner Ziele überleben den täglichen Dunst? Wie viele strahlen noch durch den Staub des Vergessens?

Und da spreche ich nicht nur über Yoga-Ziele, sondern auch über ganz banale alltägliche Dinge!

Die Maßnahme hier heißt: Fokus!

Was heißt das? Was für Prozesse stehen hinter diesem martialisch klingenden Nomen?
Folgende 5 Schritte:

1.- Liste zuerst alle deine Optionen auf! Alles, was Du jetzt im Kopf mit dir herum trägst.

2.- Wichtig: Wähle nur eine davon!

3.- Natürlich ist deine Wahl entscheidend, sie sollte nicht auf den Prioritäten von gestern beruhen und auch nicht gänzlich von den scheinbar heute so dringenden Dingen bestimmt sein. Nutz die Kraft deines Unbewussten und lass dich von deiner Intuition leiten! Und wenn deine Intuition doch gerade heute frei hat ;-), stell dir ein paar Hilfs-Fragen:

  • Muss das wirklich gemacht werden?
  • Und wenn doch ja, muss das jetzt sein?
  • Was würde passieren, wenn das doch nicht jetzt gemacht wird?
  • Muss ICH das unbedingt machen, oder kann ich es delegieren?
  • Welches ist eigentlich mein Ziel?
  • Dient das, was ich jetzt vor Augen haben, meinem Ziel?!

4.- Ok, du hast eins gewählt! Bleib jetzt dabei, tue es und behalte immer dein Ziel vor den Augen. Wenn das noch nicht so gut geht, wenn deine Aufmerksamkeit oft abschweift, dann lies meinen nächsten Artikel über ein paar einfachen Konzentrationsübungen!

5.- D.h. auch explizit für diese Zeit aktiv alles andere ablehnen! Das musst Du dir bitte merken: Fokus heißt konzentrieren, kondensieren, Wahlmöglichkeiten reduzieren. Übe dich in Genügsamkeit und Konzentration, fokussiere dich auf ein Ziel und alles wird gut! ;-)

Ich höre dich schon: “für eine gewisse Zeit”… wie lange genau ist eine gewisse Zeit?! Ich lebe nicht im Kloster, ich habe tausend Dinge zu erledigen!.
Ich verstehe auch deinen Groll - gib mir bitte Zeit bis zu einem der nächsten Artikel!

Bis dahin empfehle ich dir aber trotzdem dafür einen einfachen aber essentiellen Test: Analysiere deine aktuelle Situation und vergleiche diese mit deinem Ziel-Bild. Dies sollten wir oft und regelmäßig tun und insbesondere dann, wenn wir nicht mehr wissen, wo wir gerade beim Erreichen unseres Zieles sind - oder wenn wir unser Ziel z.T. vergessen haben und dementsprechend den ursprünglichen Elan und den täglichen Fokus verloren haben.
Bist Du noch nicht da, dann weiter machen!
Bist Du doch endlich angekommen, abhaken (Mann, tut das gut! ;-) und sofort das nächste Ziel festlegen!

Und noch mal: Dies alles betrifft nicht nur deine Yogapraxis (wie z.B. 2 Asanas täglich machen, 30 Minuten meditieren, Konzentrationsübungen praktizieren etc.), sondern alles, was Du dir als Ziel setzt, von ruhig und gelassen bleiben über den Tag bis hin zu mehr Sport treiben oder weniger Süßigkeiten naschen… Deine Ziele sind nur Etappen auf dem Weg, sie sollen in diesem Leben erreicht werden und nicht nur idealisierte Traumbilder bleiben!

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Montag, 1. November 2010

Wirklich täglich? Nichts Geringeres als das!

Und täglich grüßt das Murmeltier

Ich habe im vorherigen Artikel gesagt, dass die tägliche Praxis essentiell ist.

Meinst du wirklich “täglich”? D.h. doch jeden Tag! Das kann doch nicht dein Ernst sein oder?! Ab und zu hast du vielleicht auch mal keine Lust mehr, Yoga zu machen… oder gerade etwas Besseres zu tun!

Aber ich meine es tatsächlich wirklich :-) täglich! Tag ein, Tag aus - keine Ausnahmen!

Ist das überhaupt realistisch? Kann man überhaupt irgendetwas täglich, ein ganzes Leben lang machen?

Ich denke schon! Wir machen einiges täglich: Essen, trinken, uns waschen (über Zähneputzen haben wir schon genug gesprochen ;-)… warum sollte Yoga nicht genauso oft gemacht werden?! Warum fragen wir uns nie: Muss ich wirklich auch heute essen?! Das ist doch eine Qual - vielleicht habe ich heute gar keinen Bock zu essen!, stellen aber unsere Yogapraxis immer wieder in Frage? Darum ging es auch in meinem letzen Artikel.

Kann es sein, dass nur du so “extrem” bist?

Ich denke wirklich, dass das nicht der Fall ist.

Swami Shivananda Saraswati sagte einmal, dass er nicht einen einzigen Tag seine Yogapraxis, auf Grund der tiefgreifenden physischen und psychischen Wirkungen, die diese auf ihn hat, missen möchte.

Und H. David Coulter erklärt in seinem einzigartigen Buch Anatomie des Hatha Yoga, warum das sogar aus anatomischer Sicht Sinn macht - dazu mehr im nächsten Artikel.

Ich kenne auch genug andere absolut normale Menschen die seit Jahren täglich Yoga machen.

Es gibt unzählige Faktoren, die dazu führen, dass wir aus dem Gleichgewicht geraten: Der tägliche Stress, die Müdigkeit, die ständige Informationsflut, eine unaufmerksame und unausgewogene Ernährung, Umweltgifte, zu wenig Bewegung usw. Das zweite thermodynamische Prinzip - Die Entropie wächst in jedem System - gilt auch in unserem Leben… schließlich gewinnt die Entropie dieses Match früher oder später, nämlich dann, wenn unser Körper total in Unordnung versinkt und wir sterben.

Darum: Jeder Versuch, diese Chaos-Tendenz durch Yoga zu kontern, lindert Schmerz, heilt Wunden, schafft - magisch! - Ordnung, Ruhe, mehr Raum und Zeit.

Wie genau meine tägliche Yogapraxis aussieht, dass ist eine andere Frage. Das gestaltet sich abhängig von langfristigen Zielen und passt sich momentanen / akuten Bedürfnissen ständig an, so dass keine Langeweile aufkommen kann. Hauptsache täglich!

Folge also dem Beispiel der Schildkröte aus der Achilles Fabel: Mach’ täglich einen Schritt, egal wie klein oder langsam, und du wirst auch den größten Herausforderungen in deinem Leben gewachsen sein. Dieser kleine tägliche Schritt gibt dir auch die Sicherheit, dass du noch lebst, dass du etwas für dein Leben machst, dass du dich nicht - nie! - aufgibst. Das wird dich physisch und psychisch zugleich stärken: Du bestätigst dadurch jeden Tag, dass du kannst, dass du willst, dass du weißt, wie, und dass du dementsprechend handelst. Und auf dieses Fundament stellst du deine Praxis, mit dieser Sicherheit schreitest du voran: Jeden Tag neu, jeden Tag intensiver.

Deine tägliche Yogapraxis wirkt wie ein Tropfen Lebenselixier – koste wirklich jeden Tag davon!

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Sonntag, 24. Oktober 2010

Yoga = Zähneputzen?!

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Jeder von uns hat eine eigene tägliche Routine. Darunter fallen nicht unbedingt die spannendsten Sachen aus unserem Leben, aber auf alle Fälle die, die wir als absolut notwendig betrachten.

Ein banales Beispiel dazu: Zähneputzen! Wer kann behaupten, beim Zähneputzen in Entzückung zu geraten?! Banal? Auf alle Fälle! Es stellt gleichzeitig auch eine Notwendigkeit dar - so dass wir das täglich tun und fertig!

Manch solche Sachen erscheinen uns irgendwann sogar als eine tägliche Qual (“Mama, muss ich WIRKLICH die Zähne putzen? Auch heute?!” :-), aber sie sorgen schließlich dafür, dass wir optimal funktionieren, dass wir spätere Probleme vermeiden. Es sind schließlich Langzeit-Strategien, um besser zu leben - wir lernen sie und irgendwann machen wir das quasi-automatisch, ohne es zu merken.

Optimal ist relativ und subjektiv zugleich, so dass es kleine Unterschiede zwischen diesen täglichen Routinen bei jedem von uns gibt. Auch ein Grund, warum manche von uns vielleicht besser funktionieren als andere.

Wozu dieser Einführung?

Um eine Idee zu formulieren: Yoga sollte nicht nur eine tägliche Beschäftigung einer bestimmter Menschengruppe (= Yogis) bleiben, sondern genauso normal erscheinen wie Zähneputzen! Zu oft wird Yoga als eine Tätigkeit für’s Wochenende angesehen, verschoben für den Urlaub und eher als Wellness betrachtet!

Dafür solltest Du nicht vergessen, dass Yoga - so wie andere innere Methoden - eine Methode zur Erhaltung der physischen, mentalen und nicht zuletzt sogar spirituellen Hygiene ist, auch wenn es heutzutage eher als eine exotischere Sportart angesehen wird.

Jede Auslassung/Vernachlässigung von Yoga führt so zu einem sofortigen Schaden, der u.U. erst später wahrgenommen wird, wenn wir das Zahnweh spüren.

Natürlich stößt jede Analogie gezwungenermaßen irgendwann an ihre eigenen Grenzen, so dass ich nicht generalisieren möchte. Jenseits jeglicher sofort sichtbarer Unterschiede zwischen Yoga und sagen wir Zähneputzen (!) gibt s durchaus auch einige interessante Parallelen:

  • Beides sollten wir täglich machen! Du profitierst mehr davon, wenn du Yoga täglich übst, als wenn du dir nur ein-zwei Mal in der Woche Zeit dafür nimmst. Wer würde auf die Idee kommen, nur zwei Mal pro Woche die Zähne zu putzen?! Beim Yoga tendieren wir eher doch dazu, seltener zu üben… vielleicht auch deswegen, weil die Zähne - das Äußere - zuerst näher scheinen als das Innere… oder vielleicht nur weil wir das Zähneputzen schon so lange praktizieren. Merk dir bitte: Unsere tägliche Routine is oft diejenigen, die die stärkste Wirkung auf unseren Wohl hat.

  • Beides scheint am Anfang eine Qual! Genauso wie die Frage am Anfang - “Muss ich auch heute die Zähne putzen?!” - höre ich als Yogalehrer immer die Anfänger-Frage “Wie lange muss ich die Technik X machen?”. Wir machen diese Technik X als Erwachsener liebend gerne… insbesondere dann, wenn sie nach kurzer Zeit die Ergebnisse zeigt, so dass wir sie anschließend nicht mehr praktizieren müssen! ;-)

  • Beides braucht Zeit! Wir nehmen uns Zeit für so viele Sachen, die auf lange Sicht bei weitem nicht so essentiell auf uns wirken wie Yoga - Überdenken wir das!

  • Beides klingt nach Muss, Drill, Disziplin, Zwang! Vielleicht nur am Anfang (aller Anfang ist schwer!)… ich denke, es ist eher eine Frage der Optik (s.a. nächster Punkt).

  • Beides führt - wenn lange Zeit vernachlässigt oder sogar ganz vergessen - zu Schmerz! Tiefem, blanken Schmerz! Wenn das nicht motiviert! ;-)

  • Beides ist leicht durchzuführen! Jeder kann Zähne putzen, und so kann auch jeder Yoga machen, vielleicht nicht alles vom Anfang an, deswegen sind die meisten Yogatechniken so konzipiert, dass wirklich jeder sie in einem gewissen Grad ausüben kann, auf alle Fälle wenigstens so viel, dass sie effektiv sind.

So gesehen: Integriere Yoga in deinem täglichen Programm, in deiner täglichen Routine. Mach daraus etwas ganz Normales… wenigstens so normal wie Zähneputzen! ;-)

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Donnerstag, 21. Oktober 2010

Yoga - Wofür?!

Was bringt das ganze Yoga? Wozu das ganze Ballett / rumsitzen / Mantrasingen?!

Eine durchaus berechtigte Frage! Du investierst letztendlich Zeit und Energie - beides Mangelware, ansonsten würdest du nicht nach Methoden suchen! :-) - und willst deswegen nichts weniger als das z.Zt. Beste auf dem Markt! ;-)

Was hast du davon? Konkret:

  • Gesundheit. Zuerst körperlich: Von Alltagswehwehchen bis Krebs & Co kann durch Yoga vieles schnell gelindert und auch kuriert werden.
  • Gesundheit, noch mal. Emotionell gesehen. Alles zieht an unseren Nerven, alles will unsere Aufmerksamkeit, schnelle Reaktion, ausschließliche Teilnahme. Yoga gibt uns stattdessen die verlorene Ruhe zurück. Es ist wie Urlaub für die Seele!
  • Und wieder: Gesundheit. Nun aber mental, durch Konzentrationstraining und das Wissen über die Kraft unserer Gedanken.
  • Zeit, Gelegenheit und Methoden, sich selber kennenzulernen. Wieviel Zeit nimmst du dir sonst dafür?!

Dadurch schafft Yoga auch indirekt etwas anderes: Ein Gleichgewicht, indem es uns die Möglichkeit gibt, nach innen zu schauen. Zu viel und zu oft werden wir ansonsten nur nach außen getrieben - und das ruft früher oder später nach einem Ausgleich.

Montag, 11. Oktober 2010

Prüfe deine innere Einstellung

Buddha Eyes

”(…)
Glaubt nicht an irgendwelche Überlieferungen, nur weil sie für lange Zeit in vielen Ländern Gültigkeit besessen haben.
Glaubt nicht an etwas, nur weil es viele dauernd wiederholen.
Akzeptiert nichts, nur weil es ein anderer gesagt hat, weil es auf der Autorität eines Weisen beruht oder weil es in einer heiligen Schrift geschrieben steht.
Glaubt nichts, nur weil es wahrscheinlich ist.
Glaubt nicht an Einbildungen und Visionen, die ihr für gottgegeben haltet.
Glaubt nichts, nur weil die Autorität eines Lehrers oder Priesters dahinter steht.
Glaubt an das, was ihr durch eigene lange Prüfung als richtig erkannt habt, was sich mit eurem Wohlergehen und dem anderer vereinbaren lässt.
(…)”

Eine der unzähligen Übersetzungen des Kalama Sutta von Buddha.

Stütze dich auf deine Erfahrungen aus der eigenen Praxis. Sie zeigen dir ständig, wie weit du eigentlich gekommen bist. Sie geben dir ein direktes, genaues Feedback. Sie sind greifbar.

Reflektiere ständig über deine Praxis. Schalte nicht auf Autopilot, fall nicht in die tägliche Routine. Verankere dich lieber in der Frische, der Neugier, der Magie der ersten Yogastunde.

Bleib wach!

Resigniere nie!

Lehne nichts automatisch ab, sei offen, aber akzeptiere nichts blind.

Durch Yoga sollst du deine Augen öffnen und deine Unterscheidungskraft stärken. Nutz diese, und nicht - bei allem nötigen Respekt! - die Augen oder die Unterscheidungskraft anderer.

Vertraue auf dich!

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