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Sonntag, 31. Mai 2015

Social Proof

Crowd

Warum zusammen mit anderen meditieren / Yoga machen?

Ich werde nicht über die Gruppen-Energie reden. Wenn du schon weißt, was ich meine, dann brauchst du nicht mehr überzeugt zu werden. Und wenn nicht, wird es nur noch schlimmer :-)

Ich möchte euch ein Prinzip vorstellen. Cialdini nennt es Social Proof.

Social Proof besagt, dass es uns viel leichter fällt, uns für etwas zu begeistern, wenn viele Leute das Gleiche tun. Wir entscheiden uns bei Amazon eher für etwas, wenn es mehrere gute Bewertungen hat. Und mehr likes sind immer besser als wenige!

Stell' dir die klassische Situation vor: Du bist der einzige in deiner Familie, der meditiert / Yoga macht. An einem schönen Abend merkst du, dass die Zeit und die Gestirne dafür günstig wären… und so willst du meditieren / Yoga machen… aber es sind schon ein paar Augen, die das nicht so gerne sehen! Und schon ist die Luft raus und die Meditation / Yoga als solches nicht mehr so erstrebenswert!

Stell' dir nun dieses andere Szenario vor: Nach einem langen Freitag und einer vollen Woche wolltest du eigentlich nur noch ins Wochenende - aber da ist noch ein Termin abzuhaken, der Yogakurs am Freitag (welcher Idiot wählt gerade Freitag Abend für überhaupt irgendetwas?!). Mit schweren Beinen und Begeisterung im Nachkommabereich kommst Du rein… aber hey! Da sind schon X und Y… und Z kommt doch noch, wenn auch ein bisschen später! Du siehst sie alle nicht, nimmst sie nur diffus irgendwo im Raum wahr, mitatmend, mitmachend… du weißt aber, dass sie alle da sind und alle das gleiche machen wie du… und nach nur ein paar Sonnengrüßen scheinst du immer da gewesen zu sein! Der Yogakurs ist genau das, wonach du dich nach so einer Woche gesehnt hast… und wenn die Meditation zu Ende ist, würdest so gerne noch ewig weiter machen.

(und wenn der UPS-Typ mit einer verspäteten Lieferung den Raum platzt, der voll mit meditierenden Leuten ist, wird sogar er unaufgefordert augenblicklich still! :-)

Das Social-Proof-Prinzip wirkt, auch wenn du es gar nicht gekannt hast. Oder vielleicht gerade deswegen.

Nun kennst du es.

Viele Leute wenden es an! ;-)

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Dienstag, 11. März 2014

Hundemüde

Wie intensiv soll ich eine bestimmte Yoga-Technik praktizieren, damit die gewünschten Ergebnisse eintreten? werde ich oft gefragt.

Bevor ich meine Antwort dazu gebe, erzähle ich zuerst eine Geschichte.

Eines Morgens beende ich gerade meine Jogging-Session und bin dementsprechend müde. Hundemüde! Draußen ist es noch dunkel, ich habe ca. 5 Minuten bis zum Ende meiner Strecke und Knie aus Gummi... Nein, heute kann ich auf gar keinen Fall am Ende sprinten - so wie ich es ansonsten immer mache - heute bin ich definitiv zu schlapp dafür! Außerdem war die Nacht wieder mal zu kurz und die Müdigkeit steckt mir noch in den Knochen, das muss ich akzeptieren! - meldet sich mein gesunder Menschenverstand.

Auf einmal reflektieren im Lichtkegel meiner Stirnlampe zwei Hundeaugenpaare! Die beiden Träger dieses Zombieschmucks laufen mir - offensichtlich unangeleint - entgegen.

Ich höre fast gleichzeitig eine hastige Stimme: Die tun nichts... PITSCH! KUNO! ... die wollen nur spielen... BEI FUSS S O F O R T !!!

Die immer spielenden Hunde - beide in Stafford-Größe - richten ihre Schnauzen für eine Sekunde Richtung Herrchen... lange genug, um an ihren riesigen Köpfen vorbei zu gleiten.

Danach gelingt mir der End-Spurt irgendwie doch mühelos, weil mein gesunder Menschenverstand - überflutet mit Adrenalin! - nun trifftige Gründe liefert, einen Tick schneller zu laufen.

Hmmm… es waren also doch noch Ressourcen dafür da ;-)... Vielleicht war es nicht die Stimme meines gesunden Menschenverstandes, die eben so vernünftig klang?!
Wie dem auch sei, eins scheint klar zu sein: Weg-von ist ein stark motivierendes Metaprogramm ;-)

Jetzt meine Antwort zu der Ursprungsfrage (Reicht's nicht, wenn ich nur ein Mal den Sonnengruß mache?!): Mach Yoga so intensiv und ehrlich es geht, fast am eigenen Limit, und lass doch immer ein bisschen Luft nach oben (für evtl. Notfälle)!

Ich beantworte eine Frage zur Untergrenze beim Yogamachen mit einem Hinweis zur Obergrenze :-), weil ich so durch eigene Erfahrung herausfinden kann, ob etwas in diesem Augenblick gut und gültig für mich ist.
Außerdem komme ich nur so auf die besagten magischen 10.000 Stunden.
Dafür muss ich mich kennen, ständig spüren und so präsent sein, dass ich die Technik kontrollieren kann... oder halt auch nur gerade sprinten kann ;-).

Sensei Derlogea sagte vor mehr als zwanzig Jahren mal dazu: Mach deine Aikido-Technik so, dass immer noch Platz für ein Tai Sabaki ist!
Das ist eine Gratwanderung, die mir zeigt, wie weit ich gehen kann, wo die momentanen Grenzen sind. Und es ist diese Gratwanderung, aus der ich lerne, was mir kein Buch der Welt beibringen kann.

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Dienstag, 28. Mai 2013

Der Admirals Tee, oder Tapas 1x1

Mein Leben ist schnell und ich habe den Verdacht, dass eures auch nicht viel langsamer ist :-). Es gibt unzählige Aufgaben, die der Alltag mit sich bringt und von uns Aufmerksamkeit, Energie und Zeit verlangen.
Letztere sind nicht unendlich verfügbar, daher die Notwendigkeit einer spirituellen Praxis, die unsere Gesundheit auf allen Ebenen erhält.
Und Tapas ist ein Element jeder spirituellen Praxis.

Lasst uns mit Hilfe der üblichen W-Fragen mehr Licht in das Thema bringen.

Was ist Tapas?

Tapas ist die Ausübung von physischer und geistiger Strenge und Disziplin, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sagt Wikipedia. Tapas ist eine der fünf Niyamas auf dem achtfachen Yogapfad (Ashtanga Yoga).

Tapas bezeichnet also eine Herausforderung an uns selbst, die wir durch eine konzentrierte, zielgerichtete Anstrengung für eine begrenzte Zeit angehen, um ein bestimmtes Resultat zu erreichen.
Wenn man das so sieht, verliert Tapas den exklusiven, asketischen Sanskrit-Touch :-) und wird Teil unseres normalen Lebens, da wir immer hinter einem bestimmten Ziel her sind und uns darauf konzentrieren.
Tapas ist also nur der yogische Begriff für das, was wir immer tun, wenn wir etwas erreichen wollen.

Warum?

Strenge und Disziplin klingen nicht gerade nach Spaß :-)... warum sollte man so etwas machen? Ist das Leben nicht schon hart genug?!

Wir wissen aus Theorie und eigener Erfahrung allzu gut, dass alle Systeme zum Gleichgewicht tendieren, zu einem Zustand der Stabilität. So schön und vernünftig das auch klingt, bedeutet dieses Gleichgewicht nichts anderes als Stillstand, und jeder Stillstand ist Tod! Damit man am Leben bleibt, ist also eine ständige - wenn auch nur kleine! - Veränderung notwendig.

The measure of intelligence is the ability to change. - Albert Einstein

Tapas ist das Feuer, das diese Veränderung mit sich bringt und dadurch unser Leben warm hält. Tapas ist also Leben. Es gibt kein Leben - und auch kein Yoga - ohne Tapas.

Wofür?

Man macht ein Tapas nicht des Tapas wegen, sondern um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Daher lohnt es sich, im Voraus gut zu überlegen, was genau durch Tapas erlangt werden soll. Schau also tief in dich hinein und überleg, was du brauchst (und nicht, was andere meinen, was du brauchst). Und achte dabei eher auf das, was du langfristig brauchst - auch wenn sich ein Tapas durchaus auch für kurzfristige, kurzlebige Veränderungen eignet.

Wie formuliere ich mein Ziel?

Über Zielformulierung habe ich hier mehr als genug gesprochen.

Wann?

Stell dir, bevor du mit dem Tapas anfängst, folgende Zeit-Fragen:

  • Wann möchtest du anfangen?
  • Wie lange möchtest du (insgesamt und pro Tag) dafür investieren?
  • Wie oft möchtest du das am Tag machen?

und überlege dir die Antworten auf diese Fragen ganz genau. Sie entscheiden oft über den Erfolg deines Tapas.

Wieviel?

Mach dir auch über die Dosis Gedanken.
Überleg dir, wieviel du - nun unabhängig vom Tapas, in Friedenszeiten - von dem, was du erreichen möchtest, täglich bräuchtest, und wähle für dein Tapas mehr!

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Sagen wir mal, dass du es gut finden würdest, wenn du 5 Minuten täglich die Kobrastellung Bhujangasana machen würdest. Dann wähle für dein Tapas 30 Minuten, auch wenn, um das zu erreichen, mehrere Monate notwendig sind (s.a. unten). Dadurch schaffst Du dir die Vorraussetzung dafür, dass nach dem Beenden des Tapas die täglichen 5 Minuten auf alle Fälle gelingen.

Ein anderes Beispiel: Wenn ich mir z.B. wünsche, dass ich täglich die Treppen bis zur 2. Etage, in der ich wohne, laufe, dann wähle ich für mein Tapas die 17 Etagen bis zu meinem Büro.

Das heißt nicht, dass ich ab sofort täglich 30 Minuten Bhujangasana bzw. 17 Etagen steige! Da will ich hin, da will ich ankommen. Ich beginne dort, wo ich im Moment bin - s.a. mehr dazu unten - und arbeite mich langsam zu meinem Tapas-Ziel hin.

Strategien

Es gibt durchaus so etwas wie eine Kunst, ein Tapas zu organisieren, so dass es mit Sicherheit ein Erfolg wird. Wenn du dieses Talent noch nicht dein eigen nennen kannst ;-), beherzige diese sieben Ratschläge von mir:

  1. Schon bevor du anfängst, überleg’ dir einen Plan B.
    Vielleicht hast Du das Glück, ein Leben zu haben, wo alles glatt und in geregelten Bahnen läuft. Wenn dem so ist, dann freu’ dich darüber und mach’ weiter - aber dann bräuchtest du sowieso nicht, diesen Artikel zu lesen (und seit wann gibt's überhaupt Internetanschluß im Kloster?! ;-).
    Für alle anderen: Willkommen im Leben! :-)
    David Allen sagte mal, dass das einzig regelmäßige in seinem Leben das Aufstehen sei... und bei mir ist das auch nicht anders, insbesondere seitdem ich mir seit neuestem wieder mit einem jungen Mädchen 8-) die Nächte um die Ohren schlage.
    Damit du nicht gezwungen bist, bei der ersten Unterbrechung durch ein unerwartetes Ereignis (Weihnachten, Geburtstag, Periode, Sonnenaufgang, unangemeldeter Besuch, evtl. Krankheit, Championsleague, etc.) den Kopf in den Sand zu stecken, mit dem Leben zu hardern und dein neues Tapas aufzugeben, überleg’ dir früh genug, wie du dein Tapas unter allen Umständen weiterführen kannst.
    Was wirst du tun, wenn du dein tägliches Tapas einmal ausnahmsweise nicht wie geplant ausführen kannst? Wirst du es dann später am selben Tag / am nächsten Tag / etc. nachholen? Oder wirst du das Verpasste eher über die nächste Woche / den nächsten Monat verteilen, damit es nicht so viel auf einmal ist? Oder doch eher einen Tag hintendran hängen?
    Der Mensch macht sich Pläne und Gott amüsiert sich..
    Überleg’ dir das früh genug, denn die nächste Störung kommt bestimmt!
    Die Störung ist das Leben ;-)
  2. Fang’ sehr klein an.
    So klein, dass das Tapas gar keine spürbaren Anstrengungen produziert. Beginne also genau dort, wo du dich z.Zt. befindest. Das ist schon viel wert, auch wenn es nicht danach aussieht.
    Zudem gibt es dir eine Information über deine jetzige Grenze -- und Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
    Ist 1 Minute Bhujangasana machbar oder sollte ich lieber mit 30 Sekunden anfangen?
    Und zweitens gibt dir die Bewältigung dieser Mini-Task ein erstes Erfolgserlebnis - und jeder Erfolg, auch noch so klein, macht dich stärker!
  3. Mach’ täglich etwas dafür.
    Täglich ist mein Mantra, klar... und der Garant für deine tiefgründige Veränderung.
  4. Steigere regelmäßig dein Pensum, auch wenn die Steigerung an sich minimal sein kann.
    Zurück zum Kobra-Beispiel von oben: Wenn du mit 30 Sekunden täglich angefangen hast, dann steigere die Dauer während deines Tapas mit einer Sekunde täglich. Und sollte das irgendwann einmal auch zu viel sein, dann steigere in dieser Zeit mit nur einer Sekunde pro Woche! Die Langsamkeit ist kein Nachteil, sondern vielleicht sogar eine Stärke hier (Erinnere dich an die Fabel mit der Schildkröte!)! Hauptsache du stagnierst nicht - du weißt doch, Stillstand ist der Tod!
    Die langsame Steigerung bringt eine Fülle von Vorteilen mit sich. Sicherlich kannst du z.B. nach 20 Jahre sitzender Arbeitstätigkeit & gar kein Sport direkt mit täglich 10 Minuten Joggen anfangen und jeden Tag noch andere 10 Minuten drauf packen, nur wird es irgendwann unendlich schmerzhaft sein, so weiter zu machen und überhaupt zu leben (und ich spreche jetzt nicht nur von körperlichen Schmerzen, sondern auch von der Anstrengung, so viel Zeit in deinem Tagesablauf zu finden und dies noch reibunslos zu integrieren.). Dabei muss Tapas auf keinem Fall ein Sanskrit-Synonym zu Schmerz sein! Steigere dein tägliches Pensum lieber weniger abrupt - z.B. nur 1 Minute mehr pro Woche in dem Jogging-Beispiel von vorhin - dafür aber stetig und langfristig. So wird sich das Tapas harmonischer in deinem Leben einreihen und die damit verbundenen Änderungen werden sich nicht wie eine Vergewaltigung anfühlen, sondern von Innen geschehen.
  5. Steigere solange, bis du dein geplantes Maximum (das mehr als die tägliche Dosis sein sollte, s.o.) erreicht hast, und reduziere dann allmählich bis zu der von dir gewünschten normalen Zeit / Durchführung.
    Das langsame Zurückschrauben auf das künftige normale Niveau ist wichtig! Natura non facit saltus - wer das erkennt und in seinem Leben umsetzt, kommt der Weisheit schon ziemlich nahe.
  6. Belege aber die durch den zeitlich reduzierten Tapas freigewordene Zeit mit etwas anderem - und was eignet sich dafür besser als der Stoff für dein nächstes Tapas?!
    D.h. nachdem du z.B. deine 30 Minuten Bhujangasana erreicht hast, beginnst du die Zeit langsam zu reduzieren, z.B. in Minutentakt: Zuerst 29 Minuten, am nächsten Tag 28 Minuten, am nächsten Tag 27 Minuten... bis du bei den gewünschten 5 Minuten Bhujangasana täglich ankommst. Und schon am ersten Tag, an dem du reduzierst, machst du nach den 29 Minuten Bhujangasana noch 1 Minute etwas anderes (z.b. Shalabhasana). Am folgenden Tag machst du 28 Minuten Bhujangasana, gefolgt von 2 Minuten Shalabhasana... so dass du die bereits für das Tapas belegten 30 Minuten weiterhin nutzt, um - ohne es zu merken! - dein neues Tapas (das z.B. täglich 5 Minuten Shalabasana als Ziel haben könnte) anzufangen.
    Und da kommt die Analogie zum Admirals Tee (kudos gehen an Ilja ;-):
    Man macht sich eine Tasse schwarzen Tee, trinkt davon einen Schluck und füllt die Tasse mit Cognac auf. Das macht man solange, bis nur noch Cognac in der Tasse bleibt.
    Das erklärt vielleicht den schiefen Kurs mancher russischer Schiffe ;-) und gibt dir die Möglichkeit, am Ball zu bleiben mit der Veränderung.
  7. Behalte deine tägliche Dosis ein Leben lang!
    Warum solltest du dich sonst mit so etwas beschäftigen? Du wolltest doch am Anfang eine tiefgründige Veränderung!

Was bringt ein Tapas?

Neben dem direkten Gewinn (= dein Ziel), lernt man während des Prozesses noch eine Menge durch das Tapas.
Ein Tapas bringt mir Antworten zu vielen Fragen, wie z.B.:

  • Was motiviert mich?
  • Was fällt mir schwer?
  • Wo liegen die momentanen Hindernisse?

Auch kann man von einem Tapas vieles lernen, was man beim nächsten Tapas einsetzen kann, und das sogar unabhängig davon, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht. Daher sollte man sich z.B. immer nach Beenden eines Tapas fragen:

  • Wieso ist mir dieses Tapas (nicht) gelungen?
  • War das Ziel gut gewählt und formuliert?
  • Passten das Ziel und meine Anstrengungen energetisch und zeitlich zu den jetzigen Bedingungen?
  • Wo muss ich demnächst besser aufpassen?

Fragen die unausweichlich... zum nächsten Tapas führen!
Ich sagte doch: Tapas ist Leben! ;-)

P.S. Schau dir auch diese Artikel für andere interessante Sichtweisen zum selben Thema an:

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Montag, 9. Mai 2011

Müde vielleicht?

Müde

Auf deinem Weg zu den 10.000 Stunden ;-) wirst du vielleicht auf ein unerwartetes Hindernis treffen: Kaum hast du dein Ziel klar vor Augen und den Entschluss gefasst, einen Tick früher aufzustehen, überfällt dich eine unglaubliche Müdigkeit!

Zugegebenermaßen unfair :-), aber einerseits trifft das irgendwann jeden und andererseits deutet das nur auf ein Ungleichgewicht zwischen Input, Prozess und Output hin.

Wenn du also manchmal / oft / meistens (!) müde bist, geh die folgende Check-Liste durch und wende manche der Suggestionen an:

A Input

  • Isst du genug? Wenn die Antwort Nein! oder Ich weiß nicht! lautet, iss mehr! Achtung aber: Zu viel wird dich nicht vitaler ;-) machen, sondern nur fett ;-) / langsam / schwer und schließlich… müder!
  • Ernährst du dich ausgewogen und abwechslungsreich? Bekommst du alles, was du brauchst, aus deiner Nahrung? Versuch Lebensmittel zu minimieren / auszuschließen, die industriell verarbeitet sind und bring stattdessen mehr frische, einfache Sachen auf den Tisch!
  • Zu viel Input stört nicht nur auf deinem Teller, sondern auch mental: Hast du zu viel mentalen Input? Das kann von Telefongesprächen bis hin zu Aufgaben, die dich durch ihre Verantwortung oder emotionale Anteilnahme zu sehr stressen, reichen. Wenn doch, dann prüf, ob du diese delegieren kannst. Und gönne dir - regelmäßig oder wenigstens ab und zu - Stille / Yoga / Meditation!
  • Was hörst du für Musik? Wenn dich deine Musik zu sehr durchwühlt oder sogar depressiv macht, ersetze sie durch etwas, was dir Kraft, Power, Optimismus, Lebenslust induziert! Sag mir jetzt nicht, dass du so etwas nicht magst! ;-) Mach nur einen Test! Check mal, wie es dir nach eine Weile geht mit der neuen Musik!
  • Machst du Yoga? Wenn nicht (bzw. nicht genug), dann ist jetzt höchste Zeit (wieder) anzufangen! Yoga erlaubt dir, neue Energien anzuzapfen, die dich regenerieren werden!
  • Bist du oft genug draussen? Der Kontakt mir der Natur wird dir auch neue Impulse spenden!

B Prozess

  • Schläfst du gut? Ich frage nicht, ob du genug schläfst, weil dies höchst individuell sein kann - erholsamen Schlaf braucht aber jeder! Praktiziere mehr Shavasana vor dem Schlafengehen! Und wende Yoga Nidra an!
  • Prüf deine vorherrschenden Gedanken! Lass negative Gedanken nicht deinen Alltag verderben!
  • Ärgerst du dich oft? Wenn ja, meditiere öfter… und mach noch mehr Shavasana!
  • Verstärke das innere Feuer durch Uddiyana Bandha, Nauli Kriya und Pranayama!
  • Reinigst du dich periodisch? Unter Reinigung verstehe ich sowohl physisch, als auch mental (Shatkarma lässt grüßen ;-) Jeder Schmutz, sei es physisch oder mental, stellt Ballast dar, den du mit dir herum schleppst und der dich ermüdet. Wende also die Shatkarma-Techniken an und tue das regelmäßig, weil sich, unabhängig davon, ob du die Notwendigkeit der periodischen Reinigung verinnerlicht hast oder noch nicht, ständig Schmutz ansammelt.

C Output

  • Strengst du dich zu sehr an (physisch, mental, emotional)? Wenn das, was du machst, dich erschöpft - sei es, weil du das machen musst, sei es, weil du das machen möchtest (du, Masochist, du! ;-) - dann reduziere deine Anstrengungen!
  • Strengst du dich physisch zu wenig an? Auch wenn das zuerst komisch klingt: Fehlende physische Aktivität führt auch zu Müdigkeit. Ein wohl dosiertes Maß an physischer Anstrengung hält dich in Form - gehe / laufe / fahre Rad und mach das draußen, nicht indoor, so dass du dich dadurch nicht nur mehr bewegen wirst, sondern auch mehr raus kommst, in die Natur (s.a. oben)
  • Machst du etwas, was dir gefällt? Etwas, was dich erfreut und dich unter Umständen dazu bringt, die Zeit zu vergessen? Perfekt, mach öfter so etwas! ;-)

Lies auch dieser Artikel - vieles wiederholt sich, vieles aber nicht!

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Mehr Zeit gefällig?

Unendlich Zeit

Um überhaupt Zeit für alles zu haben, was du machen möchtest & so zu den 10.000 Stunden zu kommen, 2 Tipps:

  • Nutze zuerst die schon vorhandenen Zeit-Fenster, auch wenn sie u.U. kurz sind, sprich: Mach Yoga, wann immer du kannst! Wann immer du sitzt und es geht, sitz in einer Yogastellung. Atme bewusst, wenn du dich daran erinnerst! Mach Trataka, wann immer es geht / in Zeiten, in denen du warten musst. Meditiere auch so! Die dadurch gewonnenen Minuten summieren sich zu mehr Praxis-Zeit und - noch wichtiger! - helfen dir, bewusster mit deiner Zeit und deinen Zielen umzugehen. Und darum geht’s!

  • Zweitens: Steh früher auf! Du verpasst sonst eine der schönsten und ruhigsten Tageszeiten! Du muss nicht unbedingt ab morgen um 4 aufstehen - obwohl! ;-) - ein paar Minuten früher als sonst tun es auch und sie schaffen dir - wieder wichtig! - eine andere innere Einstellung!

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10.000 Stunden - die Grenze des Amateurismus

10000 Stunden

Ich habe einmal einen Artikel gelesen, in dem zwei Aikido-Meister verglichen wurden. Da ich den Artikel nicht mehr zu Hand habe, kann ich leider die Namen und Zahlen nicht genau wiedergeben, das tut aber der Botschaft des Artikels keinen Abbruch.

In diesem Artikel wollte man die effektiven Trainingsstunden der zwei Aikido-Meister vergleichen. Es wurden also die Stunden auf der Matte berechnet.

Bei dem ersten Meister, einem Amerikaner (glaube ich?!), haben sich infolge der 2-3 Tage pro Woche mit je 5-6 Stunden Training mindestens 10 Stunden Erfahrung pro Woche angesammelt.

Bei dem zweiten, einem Japaner (absolut sicher! :-), hat man entdeckt, dass er fast im Dojo gelebt hat! Er hat 7 Tage in der Woche ca. 10 Stunden am Tag trainiert, so dass er ohne Mühe zu mindestens 70 Stunden pro Woche kam und dadurch einen klaren Vorsprung im Vergleich mit dem ersten Aikido-Meister hatte.

Gehen wir von gleichen Ausgangsbedingungen aus, dann hätte der erste Aikido-Meister noch ca. 6 Leben gebraucht ;-), um den Level des japanischen Aikido-Meisters zu erreichen, vorausgesetzt der Japaner ändert irgendwann mal seinen Lebensstil und interessiert sich plötzlich gar nicht mehr für Aikido, sondern evtl. nur für Origami und Ikebana! ;-)

Jenseits von Sinn und Unsinn solcher Vergleiche kristallisiert sich hier eine Frage heraus, die durchaus auch in der Yogapraxis gestellt wird: Wann ist genug genug? Wann habe ich die magische Schallgrenze erreicht, wann habe ich soviel Erfahrung gesammelt, dass sie zu einer wirklich tiefen Veränderung führt, zu einer Lebensveränderung? Wann werde ich vom interessierten Amateur / unterstützenden Vereinsgebühr-/Beitragszahler zum waschechten Profi? ;-)

Malcolm Gladwell geht in seinem Buch Überflieger dieser Frage auf den Grund. In einer ausführlich dokumentierten Recherche relativiert er das hier oft zitierte Argument Talent / Begabung / Berufung und zeigt, dass darunter meistens (immer?!) eine Mischung aus gut gewähltem Zeitpunkt, Ambition, Leidenschaft / Interesse und schließlich Arbeit, sprich effektive Stunden auf der Matte :-) zu verstehen ist. Das ist das, was Bill Joy (einer der Gründer von Sun Microsystems), The Beatles und Bill Gates - um nur einige zu nennen, die in Überflieger genauer unter die Lupe genommen wurden - verbindet.

Den richtigen Zeitpunkt können wir womöglich selten kontrollieren und auch unsere Interessen liegen (z.T.!) außerhalb unseres bewussten Einflusses.

Was wir aber vollkommen in der Hand haben, ist die Menge Arbeit, die wir in das stecken, was uns am Herzen liegt.

So einfach ist das also: Wenn Du dich für eine Sache wirklich interessierst, mache sie, so intensiv wie du nur kannst! Das allein bringt Erfahrung und schließlich auch die Meisterschaft! Heutzutage ist es nicht unbedingt das Wissen, was den Meistern einen Vorsprung verschafft (auch wenn doch so mancher Meister unter dem Mantel der Tradition den Wissenstransfer verweigert, um künstlich geschaffene Machtstrukturen zu schaffen und zu erhalten oder einfach um sich Privilegien - nicht zuletzt finanzielle - zu schaffen!), sondern immer noch die besagten 10.000 Stunden, die nicht jeder bereit ist, für etwas zu opfern. Die 10.000 Stunden, wo probiert, geschwitzt und gebastelt wird, bis das Gelernte verinnerlicht und sich zu Eigen gemacht wird.

Fazit hier: Willst du etwas anderes, als das, was du heute erlebst, dann mach etwas anderes - und das so intensiv wie möglich und mehr, als nur einmal pro Woche :-) - als das, was du bis jetzt gemacht hast! Schieb nicht alles auf dein fehlendes Talent ;-), sondern erkenne und nutze lieber deine Chance!

Guck dir Michael Jordan’ Maybe it’s my fault an und hör auf, dir Gründe zu suchen! Fang einfach an!

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Sonntag, 17. April 2011

Sich selbst fühlen lernen - eine Erkenntnis

Aus gegebenen Anlass - ja, ich gucke dich an, Annette! ;-) - möchte ich an einige der Vorteile erinnern, die Yoga mit sich bringt.

Was bringt es, Yoga zu machen? Wir hatten das schon mal, oder?! Gesundheit, emotionelles Gleichgewicht, … Es sind aber auch manche Sachen, die eher auf der Meta-Ebene zu finden sind, und eine davon ist mein Thema heute: Sich selbst fühlen.

Wie kann das überhaupt durch Yoga kommen?
Direkt beim lernen von Asanas muss ich lernen, mich bzw. meinen Körper zu spüren, damit ich anschließend weiß, wie weit / lange / intensiv ich diese Stellung oder jene Technik überhaupt ausüben kann. Wenn es weh tut, kann ich sicherlich die Zähne zubeißen und weiter machen, aber nutzen tut das wenig.

Mit David Coulter’s Worte gesagt:

Achten Sie auf die Stimme des Schmerzes

Beachten Sie die Botschaften, die der Schmerz Ihnen sendet, oder ignorieren Sie sie? Wenn Sie Rückenschmerzen haben, modifizieren Sie Ihre Haltung und Ihre Aktivitäten entsprechend, oder beißen Sie einfach die Zähne zusammen? Und beobachten Sie stets mit aufmerksamen Respekt Ihren Körper, oder lassen Sie sich von einer schwierigen Aufgabe so vollkommen in Anspruch nehmen, dass Sie ihn ganz vergessen? Wer nicht auf die Botschaften seines Körpers hört, ist ein Kandidat für Muskelzerrungen, Sehnenentzündungen, eingeklemmte Nerven und Bandscheibenvorfälle. Um Verletzungen beim Hatha-Yoga zu vermeiden, müssen Sie für Ihren Körper Bewusstsein und Respekt entwickeln.
Am Beginn Ihres Hatha-Yoga-Programms sollte der Entschluss stehen, Schmerzen zu vermeiden. Wenn Sie nicht über Jahrelange Erfahrung verfügen und genau wissen, was Sie tun, und sich dennoch in eine schmerzhafte Dehnung zwingen, fordern Sie nicht nur Verletzungen heraus, sondern schaffen auch einen Zustand von Angst und Unruhe. Ihr Nervensystem wird diese Erinnerungen speichern und Ihre Versuche, die Haltung erneut einzunehmen, vereiteln. Der Schmerz ist eine Gabe - er teilt uns mit, dass ein Problem aufgetreten ist. Analysieren Sie die Art des Problems, anstatt die Übung gedankenlos abzuspulen. Mit Hilfe Ihrer Selbstwahrnehmung und der Anleitung eines kompetenten Lehrers können Sie auf andere Haltungen ausweichen, mit denen Sie die Schwierigkeit umgehen.

David H. Coulter - Anatomie von Hatha Yoga

Der Schmerz schützt uns vor Unfällen, das sollte offensichtlich sein - und doch passiert manchmal etwas!
Wann?
Immer dann, wenn ich - warum auch immer - nicht 100% dabei bin, voll konzentriert, mich fühlend! Immer dann, wenn die Verbindung zu mir irgendwie unterbrochen wurde und meine Aufmerksamkeit ausschließlich außerhalb von mir liegt.

Mit der Zeit lernt man - nur ein paar Tage / Wochen / Monaten (manche brauchen Jahre!) und Muskelrisse (Lehrgeld!) später werden wir aufmerksamer, sensibler, konzentrierter. Schmerz ist ein guter Lehrmeister! :-/

D.h. explizit, dass ich immer - beim Yoga Machen wie beim Essen, Arbeiten, Sprechen, Autofahren etc. - eine zweite Instanz von mir, einen aktiven Hintergrundprozess habe, die sich ständig fragt: Wie fühle ich mich jetzt? Wie fühlt sich das an, was ich gerade mache? Wie ist das, verglichen mit eben?

Das ist - meiner Meinung nach - einer der wichtigsten Sachen (wenn nicht sogar die Sache), die wir aus Yoga lernen sollten. Wenigstens so viel kann und sollte jeder Yogapraktizierende lernen: Fühlen, sich fühlen, ein Gefühl bekommen, für wie er / sie sich fühlt. Immer ein Vergleichszustand haben, ein State 0 - Referenzzustand und die Fähigkeit, den aktuellen Zustand einzuschätzen. Dies alles sagt mir, wie es mir heute geht und wie weit ich heute gehen kann - mit meinen Yogaübungen wie auch mit meiner Beziehung, Arbeit usw.

Werft abschließend ein Blick auf diesen Beitrag von Mark Forster - ein total anderen Blickwinkel, durchaus interessant!

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Freitag, 11. März 2011

Trataka

Trataka

Sein Ziel ständig vor Augen zu haben kann und muss gelernt werden und dafür ist Trataka die richtige Technik.

Trataka heißt auf Sanskrit ständiges Blicken und ist eine der wichtigsten und einfachsten Konzentrationsübungen im Yoga. Die Praxis von Trataka impliziert also ständiges Blicken auf ein Objekt, ohne die Augen zu schließen oder währenddessen zu blinzeln.

Du brauchst dafür ein Objekt - dein Konzentrationsobjekt!

Dies sollte ein einfaches Objekt sein, zu dem du eine spontane Anziehung verspürst. Die Liste der Konzentrationsobjekte kennt keine Grenzen - hier nur ein paar Vorschläge: ein schwarzer Punkt, die Sonne (aber bitte nur bei Sonnenaufgang / -untergang, wenn die Sonne noch rot und die Lichtintensität noch entsprechend gering ist), der Himmel, das eigene Bild in einem Spiegel, das Auge von jemand anderem, die Dunkelheit, die Reflexion des Monds im Wasser, ein Kristall, ein Knopf, das Bild einer geliebten Person, eine Kerzenflamme…

Wähle aufmerksam dein Konzentrationsobjekt und dann bleib bitte dabei!

Trataka verlangt zuerst, dass du dein Konzentrationsobjekt mit offenen, absolut entspannten und ruhigen Augen fixierst. Deine ganze Aufmerksamkeit ist auf dein Konzentrationsobjekt fokussiert. Falls du dich doch erwischt, versunken in irgendwelchen Träumereien oder vagabundierenden Gedanken zu sein, kehre sanft zu dem Objekt deiner Konzentration zurück. In dem Moment, in dem auch nur das kleinste Gefühl vom Unwohlsein erscheint, schließ die Augen und bleib eine Weile so. Dann öffne sie wieder und wiederhole die Übung.

Wenn diese Übung leicht zu meistern ist, gehe in die nächste Phase: Verbinde die äußere Konzentration mit Visualisierung. Letzteres tritt ein, wenn du die Augen geschlossen hast. Konzentriere dich auf das Negativbild, was meist wahrzunehmen ist, sobald wir die Augen schließen. Oder stelle dir wieder das Bild deines Konzentrationsobjektes vor, so wie du es eben gesehen hast. Das Bild kann am Anfang nur sehr vage erscheinen - übe aber weiter, und es wird besser. Das Bild wird erscheinen und nach einer Weile wieder verschwinden - du bringst es dann zurück, und es verschwindet nach einer Weile wieder. Dies wiederholt sich eine Weile, bis kein Bild mehr zu sehen ist. Öffne dann wieder die Augen und fange wieder an!

Die Steigerung davon ist, sich auf ein nicht vorhandenes Objekt zu konzentrieren. Du beginnst also direkt mit geschlossenen Augen und bringst das Bild deines Konzentrationsobjektes vor dein inneres Auge- also ohne es zwischendurch mit offenen Augen zu fixieren.
Hier trainierst du nicht nur weiterhin deine Konzentrationskraft, sondern außerdem deine Fähigkeit zur Visualisierung - und steigerst dadurch implizit auch dein Erinnerungsvermögen.

Und dadurch näherst du dich noch mehr unserer ursprünglichen Idee: Dein Ziel vor Augen zu haben!

Was heißt genau Das Ziel vor Augen zu haben? Wie wird das gemacht?

Erstmal musst du dafür dein Ziel gefunden haben.
Was wünschst du dir? Was möchtest du erreichen? Und vor allem: Wie formulierst du dein Ziel?

Hier das kleine Einmaleins der Zielformulierung:

1.- Definiere dein Ziel konkret, präzise. Kläre alle möglichen W-Fragen dazu. (z.B. kläre, was du alles dafür brauchst, oder / und setze eine klar Frist für die Realisierung deines Ziels, wenn möglich etc.).

2.- Achte in der Formulierung deines Ziel auf die benutzten Wörter: Vermeide jegliche Vergleiche und formuliere ausschließlich positiv!

3.- Mach den Öko-Check: Welche Konsequenzen ergeben sich für dich und die anderen, wenn du dein Ziel erreichst?

4.- Ist dein Ziel realistisch?

5.- Ist dein Ziel wirklich erstrebenswert? Wünschst du dir das aus ganzen Herzen? Stehst du total dahinter oder gibt’s doch innere Einwände?

6.- Ist die Realisierung deines Ziels nur von dir abhängig?

7.- Kannst du deinen Fortschritt in der Erreichung deines Ziels messen? Definiere Etappenziele, wenn möglich.

Nutz die sieben obigen Punkte als eine Checkliste, nachdem du dein Ziel gefunden hast.

Und nun, da du ein Ziel gefunden und auch nach allen Regeln der Kunst ;-) formulierst hast, visualisiere dich bitte, sofort nachdem du dein Ziel erreicht hast.

Mal dir so genau wie möglich die Situation aus, versetze dich in den Moment, in dem die von dir gewünschte Situation gerade eingetreten ist und fühle dich tatsächlich in die Situation hinein, höre evtl. die Klänge, die diesen Augenblick begleiten - lass deine ganzen Sinne teilhaben, versinke dich im Ziel… und das, was du in diesem Moment wahrnimmst (= siehst und womöglich auch hörst, spürst, riechst, schmeckst), das ist das Konzentrationsobjekt, das durch Trataka wie oben beschrieben ständig zurückgeholt und möglichst lange gehalten werden soll. Es ist äußerst wichtig, dass du dieses Bild - bzw. das mit Klang usw. ergänzte Bild - als Konzentrationsobjekt nimmst, und nicht den Weg dahin, da bekanntlich viele Wege zum Ziel führen.

Und nun, ran an die Arbeit: Was ist dein erstes Ziel?

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Donnerstag, 3. März 2011

Fokus!

Focus

Kenne deinen Feind und dich selbst, und du brauchst den Ausgang von 100 Schlachten nicht zu fürchten. - Sun Tzu in Die Kunst des Krieges.

Heute möchte ich über einen unserer gefährlichsten Feinde sprechen: Die Zerstreuung.

Kennst Du das auch? Du stehst voller Elan auf (Auf zu großen Taten!) und… abends erwischst Du dich wieder müde, verwickelt in tausend kleine Dinge, die alle irgendwie sooo dringend und ach sooo schnell zu erledigen (oder nur einfach anziehend ;-) waren und dich doch nur von deinem großen Ziel abgelenkt haben?

Die E-Mails, die gecheckt werden müssen, das Telefonat, das doch länger als erwartet gedauert hat, das bisschen Fernsehen (Man sollte doch informiert sein! oder nur 5 Minuten Doctor’s Diary - oder war’s doch Diarrhöe? ;-) - gucken), das bisschen Plaudern mit den Nachbarn, die verlängerte Kaffeepause mit dem Kollegen, dieser interessant klingende Titel in der offen liegen gelassenen Zeitschrift auf dem Tisch… und schon ist der heutigen Tag zu Ende, deine Motivation von heute morgen Geschichte und dein großes Ziel muss (wieder mal!) auf morgen warten!

Wie viele deiner Ziele überleben den täglichen Dunst? Wie viele strahlen noch durch den Staub des Vergessens?

Und da spreche ich nicht nur über Yoga-Ziele, sondern auch über ganz banale alltägliche Dinge!

Die Maßnahme hier heißt: Fokus!

Was heißt das? Was für Prozesse stehen hinter diesem martialisch klingenden Nomen?
Folgende 5 Schritte:

1.- Liste zuerst alle deine Optionen auf! Alles, was Du jetzt im Kopf mit dir herum trägst.

2.- Wichtig: Wähle nur eine davon!

3.- Natürlich ist deine Wahl entscheidend, sie sollte nicht auf den Prioritäten von gestern beruhen und auch nicht gänzlich von den scheinbar heute so dringenden Dingen bestimmt sein. Nutz die Kraft deines Unbewussten und lass dich von deiner Intuition leiten! Und wenn deine Intuition doch gerade heute frei hat ;-), stell dir ein paar Hilfs-Fragen:

  • Muss das wirklich gemacht werden?
  • Und wenn doch ja, muss das jetzt sein?
  • Was würde passieren, wenn das doch nicht jetzt gemacht wird?
  • Muss ICH das unbedingt machen, oder kann ich es delegieren?
  • Welches ist eigentlich mein Ziel?
  • Dient das, was ich jetzt vor Augen haben, meinem Ziel?!

4.- Ok, du hast eins gewählt! Bleib jetzt dabei, tue es und behalte immer dein Ziel vor den Augen. Wenn das noch nicht so gut geht, wenn deine Aufmerksamkeit oft abschweift, dann lies meinen nächsten Artikel über ein paar einfachen Konzentrationsübungen!

5.- D.h. auch explizit für diese Zeit aktiv alles andere ablehnen! Das musst Du dir bitte merken: Fokus heißt konzentrieren, kondensieren, Wahlmöglichkeiten reduzieren. Übe dich in Genügsamkeit und Konzentration, fokussiere dich auf ein Ziel und alles wird gut! ;-)

Ich höre dich schon: “für eine gewisse Zeit”… wie lange genau ist eine gewisse Zeit?! Ich lebe nicht im Kloster, ich habe tausend Dinge zu erledigen!.
Ich verstehe auch deinen Groll - gib mir bitte Zeit bis zu einem der nächsten Artikel!

Bis dahin empfehle ich dir aber trotzdem dafür einen einfachen aber essentiellen Test: Analysiere deine aktuelle Situation und vergleiche diese mit deinem Ziel-Bild. Dies sollten wir oft und regelmäßig tun und insbesondere dann, wenn wir nicht mehr wissen, wo wir gerade beim Erreichen unseres Zieles sind - oder wenn wir unser Ziel z.T. vergessen haben und dementsprechend den ursprünglichen Elan und den täglichen Fokus verloren haben.
Bist Du noch nicht da, dann weiter machen!
Bist Du doch endlich angekommen, abhaken (Mann, tut das gut! ;-) und sofort das nächste Ziel festlegen!

Und noch mal: Dies alles betrifft nicht nur deine Yogapraxis (wie z.B. 2 Asanas täglich machen, 30 Minuten meditieren, Konzentrationsübungen praktizieren etc.), sondern alles, was Du dir als Ziel setzt, von ruhig und gelassen bleiben über den Tag bis hin zu mehr Sport treiben oder weniger Süßigkeiten naschen… Deine Ziele sind nur Etappen auf dem Weg, sie sollen in diesem Leben erreicht werden und nicht nur idealisierte Traumbilder bleiben!

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Freitag, 10. Dezember 2010

Konkret!

Ok, “täglich” klingt jetzt verständlich, leichter zu realisieren ist es dadurch immer noch nicht geworden… wie machst du das?

Wie mache ich es? Wie bastle ich mein tägliches Yogaprogramm zusammen?

Erstmal berücksichtige ich alles, was in Yoga wichtig ist:

  • Asana
  • Pranayama
  • Dharana
  • Dhyana

Für die konkrete Auswahl der Yoga-Techniken beachte ich immer meine aktuelle Situation. Diese ändert sich ständig, abhängig von Wünschen, Bedürfnissen und Störfaktoren - und so passe ich meine Praxis auch immer wieder an.

Ganz konkret :-) sieht mein aktuelles, tägliches Wunsch-Programm so aus:

  • Surya Namaskara
  • Uddiyana Banda und Nauli Kriya
  • Asana
  • Pranayama
  • Trataka
  • Meditation

Warum nenne ich es Wunsch-Programm?

Weil ich die tägliche Ausübung dieses Programmes an sich noch nicht gänzlich erreicht habe, so dass dies für mich ein noch zu erreichendes Ziel darstellt! Jedes Mal, wenn ich ein Ziel erreiche, erweitere / ändere ich mein Ziel.

Warum gerade diese Zusammensetzung? Asana, Pranayama und Meditation sind Grundbausteine jeder Yoga-Praxis, aber die anderen drei?

  • Surya Namaskara: Weil es ein in sich komplettes Programm ist, mit Asanas, Pranayama, Synchronisation der Atmung mit der Bewegung, Mantra-Meditation, Konzentration auf die Chakras - s. hier am besten das Buch von Swami Satyananda Saraswati zu diesem Thema.

  • Uddiyana Banda und Nauli Kriya: Weil dies zwei Techniken sind, die alle inneren Organe massieren und energetisieren (von der Wirkung auf Manipura Chakra und der Anhebung der Energie ganz abgesehen). Dadurch beeinflussen sie zutiefst den ganzen Körper und sorgen dafür, dass die Prozesse in meinem Körper richtig funktionieren.

  • Trataka: Weil es als Konzentration und Visualisations-Technik sehr effektiv ist - und dadurch nützlich für die Erreichung meiner Ziele. Dazu werde ich später konkrete Tipps geben.

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Donnerstag, 4. November 2010

David’s Anatomy ;-)

Coulter  Anatomie des Hatha Yoga

Im letzten Artikel habe ich kurz ein Buch erwähnt: Anatomie des Hatha Yoga von H. David Coulter, das ich jetzt näher empfehlen möchte (Die Tatsache, dass ich als erstes Buch in meinem Yoga-Blog ein Anatomie-Buch erwähne, spricht schon Bände! ;-).

H. David Coulter, Dozent in Anatomie, hat 25 Jahre an diesem Buch gearbeitet.

Er ist nicht nur ein Experte in Anatomie, sondern praktiziert zugleich auch Yoga, so dass er meiner Meinung nach besser als jeder andere weiß, wie Yoga auf unseren Körper wirkt und dies in seinem Buch auch detailliert und verständlich erläutert.

Sein Buch erklärt vieles, was wir in unserer Yogapraxis klar spüren, ohne darüber viel nachzudenken (Bsp.: Warum ist es leichter, in einer leicht erhöhten Sitzstellung länger zu sitzen / meditieren?).

Noch zwei kleine Beispiele:

a) Durch die Erklärungen zum myotatischen Reflex (auch als Dehnreflex bekannt) kannst du besser nachvollziehen, warum du in Yoga alle Bewegungen langsam machen sollst.

b) Durch die Ausführung zum Golgi-Apparat (Dictyosom) wird die fördernde Wirkung der täglichen Yoga-Praxis (Nachtigall, ick hör’ dir trapsen… :-) auf die Flexibilität erklärt.

Fazit: Ein wunderbares Buch, und das nicht nur für Yogis, sondern auch für alle, die besser / überhaupt verstehen möchten, wie Yoga auf und in unserem Körper wirkt.

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Montag, 1. November 2010

Wirklich täglich? Nichts Geringeres als das!

Und täglich grüßt das Murmeltier

Ich habe im vorherigen Artikel gesagt, dass die tägliche Praxis essentiell ist.

Meinst du wirklich “täglich”? D.h. doch jeden Tag! Das kann doch nicht dein Ernst sein oder?! Ab und zu hast du vielleicht auch mal keine Lust mehr, Yoga zu machen… oder gerade etwas Besseres zu tun!

Aber ich meine es tatsächlich wirklich :-) täglich! Tag ein, Tag aus - keine Ausnahmen!

Ist das überhaupt realistisch? Kann man überhaupt irgendetwas täglich, ein ganzes Leben lang machen?

Ich denke schon! Wir machen einiges täglich: Essen, trinken, uns waschen (über Zähneputzen haben wir schon genug gesprochen ;-)… warum sollte Yoga nicht genauso oft gemacht werden?! Warum fragen wir uns nie: Muss ich wirklich auch heute essen?! Das ist doch eine Qual - vielleicht habe ich heute gar keinen Bock zu essen!, stellen aber unsere Yogapraxis immer wieder in Frage? Darum ging es auch in meinem letzen Artikel.

Kann es sein, dass nur du so “extrem” bist?

Ich denke wirklich, dass das nicht der Fall ist.

Swami Shivananda Saraswati sagte einmal, dass er nicht einen einzigen Tag seine Yogapraxis, auf Grund der tiefgreifenden physischen und psychischen Wirkungen, die diese auf ihn hat, missen möchte.

Und H. David Coulter erklärt in seinem einzigartigen Buch Anatomie des Hatha Yoga, warum das sogar aus anatomischer Sicht Sinn macht - dazu mehr im nächsten Artikel.

Ich kenne auch genug andere absolut normale Menschen die seit Jahren täglich Yoga machen.

Es gibt unzählige Faktoren, die dazu führen, dass wir aus dem Gleichgewicht geraten: Der tägliche Stress, die Müdigkeit, die ständige Informationsflut, eine unaufmerksame und unausgewogene Ernährung, Umweltgifte, zu wenig Bewegung usw. Das zweite thermodynamische Prinzip - Die Entropie wächst in jedem System - gilt auch in unserem Leben… schließlich gewinnt die Entropie dieses Match früher oder später, nämlich dann, wenn unser Körper total in Unordnung versinkt und wir sterben.

Darum: Jeder Versuch, diese Chaos-Tendenz durch Yoga zu kontern, lindert Schmerz, heilt Wunden, schafft - magisch! - Ordnung, Ruhe, mehr Raum und Zeit.

Wie genau meine tägliche Yogapraxis aussieht, dass ist eine andere Frage. Das gestaltet sich abhängig von langfristigen Zielen und passt sich momentanen / akuten Bedürfnissen ständig an, so dass keine Langeweile aufkommen kann. Hauptsache täglich!

Folge also dem Beispiel der Schildkröte aus der Achilles Fabel: Mach’ täglich einen Schritt, egal wie klein oder langsam, und du wirst auch den größten Herausforderungen in deinem Leben gewachsen sein. Dieser kleine tägliche Schritt gibt dir auch die Sicherheit, dass du noch lebst, dass du etwas für dein Leben machst, dass du dich nicht - nie! - aufgibst. Das wird dich physisch und psychisch zugleich stärken: Du bestätigst dadurch jeden Tag, dass du kannst, dass du willst, dass du weißt, wie, und dass du dementsprechend handelst. Und auf dieses Fundament stellst du deine Praxis, mit dieser Sicherheit schreitest du voran: Jeden Tag neu, jeden Tag intensiver.

Deine tägliche Yogapraxis wirkt wie ein Tropfen Lebenselixier – koste wirklich jeden Tag davon!

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Sonntag, 17. Oktober 2010

"Yoga machen" - was ist das eigentlich?!

Virasana

Klar wissen wir alle, was Yoga ist!

Lasst uns den Begriff trotzdem noch einmal genau definieren: Worüber sprechen wir hier eigentlich?! Was bedeutet es, wenn ich sage, dass ich Yoga mache? Was mache ich genau?

Erstens übe ich bestimmte Stellungen (Asana), Atemübungen (Pranayama), Konzentrationsübungen (Dharana) und Meditation (Dhyana).

Als Yogi wende ich aber auch bestimmte Regeln bzgl. meiner Ernährung, Gedanken, Gefühle, Einstellung an.

Fazit: Ja, Yoga impliziert immer (!) auch diese mehr oder weniger exotischen Stellungen, die wir damit sofort assoziieren, muss aber trotzdem nicht nur darauf reduziert werden.

Du wirst dich natürlich fragen: Warum sollte ich all das machen?! Was habe ich davon?!

Das ist der Stoff für das nächste Posting!