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Donnerstag, 15. Januar 2015

Intelligenz

Compass

Ich habe eine interessante Definition von Intelligenz gelesen: Intelligenz sei die Fähigkeit, die richtige Lösung zu Probleme zu finden, wofür wir nicht trainiert haben.
In diesem Sinne möchte jeder von uns intelligent sein… wer will nicht die Fülle der Alltagsprobleme - für die wir nicht trainiert haben - alle richtig lösen?!

Das Leben - Eine Problemsammlung mit Erziehungsfaktor

Das Leben wird irgendwann mal jeden überraschen - zu viele sind die Kombinationsmöglichkeiten, um für jede und alle trainieren zu können.
Und nicht nur die Vielfalt der Gegenwart bietet unzählige Verhaltensmöglichkeiten, auch Yoga - als Teil des Lebens - lässt dir die Freiheit zu wählen: Es gibt eine Vielzahl an Yoga-arten, -methoden und -übungen und - als wäre das nicht genug! - gibt es dazu noch unendlich viele Möglichkeiten, diese Yogamethoden und -techniken zu interpretieren und im eigenen Leben zu integrieren.

Wann mache ich es richtig?

Genau: Woher weiss ich, dass ich mein Yoga richtig übe?

Moment: Dafür ist doch ein Yogalehrer / Meister da, oder? Er muss es doch wissen!

Hmm… wenn ich die Antwort darauf / die Bestätigung nur von meinem Yogalehrer oder den Gleichgesinnten auf der Matte holen kann, dann hätte ich das eigentliche Ziel von Yoga schon verpasst! Ursprünglich wollte ich doch intelligenter werden, um auch untrainiert jegliches plötzlich auftauchende Problem richtig lösen zu können. Vielleicht hat die eigene Unerfahrenheit / momentane Blindheit / schlichte Dummheit ;-) oder die unbewusste Suche nach einer allwissenden Vaterfigur zu der falschen Vorstellung geführt, dass man für jeden Sch… ;-) doch lieber den Guru fragen sollte (und das manch' solcher Guru gerne von so einer Sichtweise profitiert, ist auch verständlich). Wie dem auch sei: Es ist nie zu spät, erwachsen zu werden! Und es gibt genug ehrliche Lehrer, die dich bei diesem Prozess unterstützen.
Ein berühmter Theravada-Mönch pflegt, nach langen, intensiven Meditationsretreats, seinen Schüler zu raten: Und nun geht leben, um die gelehrte Technik zu prüfen! Und Recht hat er! Wie sollte ich sonst prüfen, ob das Gelernte überhaupt gut und nützlich ist?! Und andererseits warum sollte ich sonst überhaupt irgendetwas lernen und praktizieren, wenn ich damit nicht normale Lebensaufgaben richtig lösen kann, auf die ich mich vorher nicht vorbereiten konnte?!

Das Leben - Die Balance zwischen Innen und Außen

Yoga bleibt nur dann ein Teil vom Leben, wenn das Leben selbst die Prüfung von Yoga ist.
Wenn ich die Wahrheit, die ich durch Yoga erfahre, nur noch mit Yogis teilen kann, dann ist es höchste Zeit, mich wieder an anderen zu reiben. Wenn ich mich für meine Praxis von der Welt zurückziehen muss, dann habe ich höchstwahrscheinlich die Anweisungen missinterpretiert oder ich wurde fehlgeleitet. Wenn ich nicht mehr mit allen über Gott und die Welt sprechen kann, weil sie angeblich manches nicht verstehen können, dann ist der Zeitpunkt gekommen, mich unter der Lupe zu nehmen… vielleicht habe ich doch etwas von meiner Intelligenz verloren? ;-)

Dienstag, 11. März 2014

Hundemüde

Wie intensiv soll ich eine bestimmte Yoga-Technik praktizieren, damit die gewünschten Ergebnisse eintreten? werde ich oft gefragt.

Bevor ich meine Antwort dazu gebe, erzähle ich zuerst eine Geschichte.

Eines Morgens beende ich gerade meine Jogging-Session und bin dementsprechend müde. Hundemüde! Draußen ist es noch dunkel, ich habe ca. 5 Minuten bis zum Ende meiner Strecke und Knie aus Gummi... Nein, heute kann ich auf gar keinen Fall am Ende sprinten - so wie ich es ansonsten immer mache - heute bin ich definitiv zu schlapp dafür! Außerdem war die Nacht wieder mal zu kurz und die Müdigkeit steckt mir noch in den Knochen, das muss ich akzeptieren! - meldet sich mein gesunder Menschenverstand.

Auf einmal reflektieren im Lichtkegel meiner Stirnlampe zwei Hundeaugenpaare! Die beiden Träger dieses Zombieschmucks laufen mir - offensichtlich unangeleint - entgegen.

Ich höre fast gleichzeitig eine hastige Stimme: Die tun nichts... PITSCH! KUNO! ... die wollen nur spielen... BEI FUSS S O F O R T !!!

Die immer spielenden Hunde - beide in Stafford-Größe - richten ihre Schnauzen für eine Sekunde Richtung Herrchen... lange genug, um an ihren riesigen Köpfen vorbei zu gleiten.

Danach gelingt mir der End-Spurt irgendwie doch mühelos, weil mein gesunder Menschenverstand - überflutet mit Adrenalin! - nun trifftige Gründe liefert, einen Tick schneller zu laufen.

Hmmm… es waren also doch noch Ressourcen dafür da ;-)... Vielleicht war es nicht die Stimme meines gesunden Menschenverstandes, die eben so vernünftig klang?!
Wie dem auch sei, eins scheint klar zu sein: Weg-von ist ein stark motivierendes Metaprogramm ;-)

Jetzt meine Antwort zu der Ursprungsfrage (Reicht's nicht, wenn ich nur ein Mal den Sonnengruß mache?!): Mach Yoga so intensiv und ehrlich es geht, fast am eigenen Limit, und lass doch immer ein bisschen Luft nach oben (für evtl. Notfälle)!

Ich beantworte eine Frage zur Untergrenze beim Yogamachen mit einem Hinweis zur Obergrenze :-), weil ich so durch eigene Erfahrung herausfinden kann, ob etwas in diesem Augenblick gut und gültig für mich ist.
Außerdem komme ich nur so auf die besagten magischen 10.000 Stunden.
Dafür muss ich mich kennen, ständig spüren und so präsent sein, dass ich die Technik kontrollieren kann... oder halt auch nur gerade sprinten kann ;-).

Sensei Derlogea sagte vor mehr als zwanzig Jahren mal dazu: Mach deine Aikido-Technik so, dass immer noch Platz für ein Tai Sabaki ist!
Das ist eine Gratwanderung, die mir zeigt, wie weit ich gehen kann, wo die momentanen Grenzen sind. Und es ist diese Gratwanderung, aus der ich lerne, was mir kein Buch der Welt beibringen kann.

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Dienstag, 28. Mai 2013

Der Admirals Tee, oder Tapas 1x1

Mein Leben ist schnell und ich habe den Verdacht, dass eures auch nicht viel langsamer ist :-). Es gibt unzählige Aufgaben, die der Alltag mit sich bringt und von uns Aufmerksamkeit, Energie und Zeit verlangen.
Letztere sind nicht unendlich verfügbar, daher die Notwendigkeit einer spirituellen Praxis, die unsere Gesundheit auf allen Ebenen erhält.
Und Tapas ist ein Element jeder spirituellen Praxis.

Lasst uns mit Hilfe der üblichen W-Fragen mehr Licht in das Thema bringen.

Was ist Tapas?

Tapas ist die Ausübung von physischer und geistiger Strenge und Disziplin, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, sagt Wikipedia. Tapas ist eine der fünf Niyamas auf dem achtfachen Yogapfad (Ashtanga Yoga).

Tapas bezeichnet also eine Herausforderung an uns selbst, die wir durch eine konzentrierte, zielgerichtete Anstrengung für eine begrenzte Zeit angehen, um ein bestimmtes Resultat zu erreichen.
Wenn man das so sieht, verliert Tapas den exklusiven, asketischen Sanskrit-Touch :-) und wird Teil unseres normalen Lebens, da wir immer hinter einem bestimmten Ziel her sind und uns darauf konzentrieren.
Tapas ist also nur der yogische Begriff für das, was wir immer tun, wenn wir etwas erreichen wollen.

Warum?

Strenge und Disziplin klingen nicht gerade nach Spaß :-)... warum sollte man so etwas machen? Ist das Leben nicht schon hart genug?!

Wir wissen aus Theorie und eigener Erfahrung allzu gut, dass alle Systeme zum Gleichgewicht tendieren, zu einem Zustand der Stabilität. So schön und vernünftig das auch klingt, bedeutet dieses Gleichgewicht nichts anderes als Stillstand, und jeder Stillstand ist Tod! Damit man am Leben bleibt, ist also eine ständige - wenn auch nur kleine! - Veränderung notwendig.

The measure of intelligence is the ability to change. - Albert Einstein

Tapas ist das Feuer, das diese Veränderung mit sich bringt und dadurch unser Leben warm hält. Tapas ist also Leben. Es gibt kein Leben - und auch kein Yoga - ohne Tapas.

Wofür?

Man macht ein Tapas nicht des Tapas wegen, sondern um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Daher lohnt es sich, im Voraus gut zu überlegen, was genau durch Tapas erlangt werden soll. Schau also tief in dich hinein und überleg, was du brauchst (und nicht, was andere meinen, was du brauchst). Und achte dabei eher auf das, was du langfristig brauchst - auch wenn sich ein Tapas durchaus auch für kurzfristige, kurzlebige Veränderungen eignet.

Wie formuliere ich mein Ziel?

Über Zielformulierung habe ich hier mehr als genug gesprochen.

Wann?

Stell dir, bevor du mit dem Tapas anfängst, folgende Zeit-Fragen:

  • Wann möchtest du anfangen?
  • Wie lange möchtest du (insgesamt und pro Tag) dafür investieren?
  • Wie oft möchtest du das am Tag machen?

und überlege dir die Antworten auf diese Fragen ganz genau. Sie entscheiden oft über den Erfolg deines Tapas.

Wieviel?

Mach dir auch über die Dosis Gedanken.
Überleg dir, wieviel du - nun unabhängig vom Tapas, in Friedenszeiten - von dem, was du erreichen möchtest, täglich bräuchtest, und wähle für dein Tapas mehr!

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Sagen wir mal, dass du es gut finden würdest, wenn du 5 Minuten täglich die Kobrastellung Bhujangasana machen würdest. Dann wähle für dein Tapas 30 Minuten, auch wenn, um das zu erreichen, mehrere Monate notwendig sind (s.a. unten). Dadurch schaffst Du dir die Vorraussetzung dafür, dass nach dem Beenden des Tapas die täglichen 5 Minuten auf alle Fälle gelingen.

Ein anderes Beispiel: Wenn ich mir z.B. wünsche, dass ich täglich die Treppen bis zur 2. Etage, in der ich wohne, laufe, dann wähle ich für mein Tapas die 17 Etagen bis zu meinem Büro.

Das heißt nicht, dass ich ab sofort täglich 30 Minuten Bhujangasana bzw. 17 Etagen steige! Da will ich hin, da will ich ankommen. Ich beginne dort, wo ich im Moment bin - s.a. mehr dazu unten - und arbeite mich langsam zu meinem Tapas-Ziel hin.

Strategien

Es gibt durchaus so etwas wie eine Kunst, ein Tapas zu organisieren, so dass es mit Sicherheit ein Erfolg wird. Wenn du dieses Talent noch nicht dein eigen nennen kannst ;-), beherzige diese sieben Ratschläge von mir:

  1. Schon bevor du anfängst, überleg’ dir einen Plan B.
    Vielleicht hast Du das Glück, ein Leben zu haben, wo alles glatt und in geregelten Bahnen läuft. Wenn dem so ist, dann freu’ dich darüber und mach’ weiter - aber dann bräuchtest du sowieso nicht, diesen Artikel zu lesen (und seit wann gibt's überhaupt Internetanschluß im Kloster?! ;-).
    Für alle anderen: Willkommen im Leben! :-)
    David Allen sagte mal, dass das einzig regelmäßige in seinem Leben das Aufstehen sei... und bei mir ist das auch nicht anders, insbesondere seitdem ich mir seit neuestem wieder mit einem jungen Mädchen 8-) die Nächte um die Ohren schlage.
    Damit du nicht gezwungen bist, bei der ersten Unterbrechung durch ein unerwartetes Ereignis (Weihnachten, Geburtstag, Periode, Sonnenaufgang, unangemeldeter Besuch, evtl. Krankheit, Championsleague, etc.) den Kopf in den Sand zu stecken, mit dem Leben zu hardern und dein neues Tapas aufzugeben, überleg’ dir früh genug, wie du dein Tapas unter allen Umständen weiterführen kannst.
    Was wirst du tun, wenn du dein tägliches Tapas einmal ausnahmsweise nicht wie geplant ausführen kannst? Wirst du es dann später am selben Tag / am nächsten Tag / etc. nachholen? Oder wirst du das Verpasste eher über die nächste Woche / den nächsten Monat verteilen, damit es nicht so viel auf einmal ist? Oder doch eher einen Tag hintendran hängen?
    Der Mensch macht sich Pläne und Gott amüsiert sich..
    Überleg’ dir das früh genug, denn die nächste Störung kommt bestimmt!
    Die Störung ist das Leben ;-)
  2. Fang’ sehr klein an.
    So klein, dass das Tapas gar keine spürbaren Anstrengungen produziert. Beginne also genau dort, wo du dich z.Zt. befindest. Das ist schon viel wert, auch wenn es nicht danach aussieht.
    Zudem gibt es dir eine Information über deine jetzige Grenze -- und Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.
    Ist 1 Minute Bhujangasana machbar oder sollte ich lieber mit 30 Sekunden anfangen?
    Und zweitens gibt dir die Bewältigung dieser Mini-Task ein erstes Erfolgserlebnis - und jeder Erfolg, auch noch so klein, macht dich stärker!
  3. Mach’ täglich etwas dafür.
    Täglich ist mein Mantra, klar... und der Garant für deine tiefgründige Veränderung.
  4. Steigere regelmäßig dein Pensum, auch wenn die Steigerung an sich minimal sein kann.
    Zurück zum Kobra-Beispiel von oben: Wenn du mit 30 Sekunden täglich angefangen hast, dann steigere die Dauer während deines Tapas mit einer Sekunde täglich. Und sollte das irgendwann einmal auch zu viel sein, dann steigere in dieser Zeit mit nur einer Sekunde pro Woche! Die Langsamkeit ist kein Nachteil, sondern vielleicht sogar eine Stärke hier (Erinnere dich an die Fabel mit der Schildkröte!)! Hauptsache du stagnierst nicht - du weißt doch, Stillstand ist der Tod!
    Die langsame Steigerung bringt eine Fülle von Vorteilen mit sich. Sicherlich kannst du z.B. nach 20 Jahre sitzender Arbeitstätigkeit & gar kein Sport direkt mit täglich 10 Minuten Joggen anfangen und jeden Tag noch andere 10 Minuten drauf packen, nur wird es irgendwann unendlich schmerzhaft sein, so weiter zu machen und überhaupt zu leben (und ich spreche jetzt nicht nur von körperlichen Schmerzen, sondern auch von der Anstrengung, so viel Zeit in deinem Tagesablauf zu finden und dies noch reibunslos zu integrieren.). Dabei muss Tapas auf keinem Fall ein Sanskrit-Synonym zu Schmerz sein! Steigere dein tägliches Pensum lieber weniger abrupt - z.B. nur 1 Minute mehr pro Woche in dem Jogging-Beispiel von vorhin - dafür aber stetig und langfristig. So wird sich das Tapas harmonischer in deinem Leben einreihen und die damit verbundenen Änderungen werden sich nicht wie eine Vergewaltigung anfühlen, sondern von Innen geschehen.
  5. Steigere solange, bis du dein geplantes Maximum (das mehr als die tägliche Dosis sein sollte, s.o.) erreicht hast, und reduziere dann allmählich bis zu der von dir gewünschten normalen Zeit / Durchführung.
    Das langsame Zurückschrauben auf das künftige normale Niveau ist wichtig! Natura non facit saltus - wer das erkennt und in seinem Leben umsetzt, kommt der Weisheit schon ziemlich nahe.
  6. Belege aber die durch den zeitlich reduzierten Tapas freigewordene Zeit mit etwas anderem - und was eignet sich dafür besser als der Stoff für dein nächstes Tapas?!
    D.h. nachdem du z.B. deine 30 Minuten Bhujangasana erreicht hast, beginnst du die Zeit langsam zu reduzieren, z.B. in Minutentakt: Zuerst 29 Minuten, am nächsten Tag 28 Minuten, am nächsten Tag 27 Minuten... bis du bei den gewünschten 5 Minuten Bhujangasana täglich ankommst. Und schon am ersten Tag, an dem du reduzierst, machst du nach den 29 Minuten Bhujangasana noch 1 Minute etwas anderes (z.b. Shalabhasana). Am folgenden Tag machst du 28 Minuten Bhujangasana, gefolgt von 2 Minuten Shalabhasana... so dass du die bereits für das Tapas belegten 30 Minuten weiterhin nutzt, um - ohne es zu merken! - dein neues Tapas (das z.B. täglich 5 Minuten Shalabasana als Ziel haben könnte) anzufangen.
    Und da kommt die Analogie zum Admirals Tee (kudos gehen an Ilja ;-):
    Man macht sich eine Tasse schwarzen Tee, trinkt davon einen Schluck und füllt die Tasse mit Cognac auf. Das macht man solange, bis nur noch Cognac in der Tasse bleibt.
    Das erklärt vielleicht den schiefen Kurs mancher russischer Schiffe ;-) und gibt dir die Möglichkeit, am Ball zu bleiben mit der Veränderung.
  7. Behalte deine tägliche Dosis ein Leben lang!
    Warum solltest du dich sonst mit so etwas beschäftigen? Du wolltest doch am Anfang eine tiefgründige Veränderung!

Was bringt ein Tapas?

Neben dem direkten Gewinn (= dein Ziel), lernt man während des Prozesses noch eine Menge durch das Tapas.
Ein Tapas bringt mir Antworten zu vielen Fragen, wie z.B.:

  • Was motiviert mich?
  • Was fällt mir schwer?
  • Wo liegen die momentanen Hindernisse?

Auch kann man von einem Tapas vieles lernen, was man beim nächsten Tapas einsetzen kann, und das sogar unabhängig davon, ob das Ziel erreicht wurde oder nicht. Daher sollte man sich z.B. immer nach Beenden eines Tapas fragen:

  • Wieso ist mir dieses Tapas (nicht) gelungen?
  • War das Ziel gut gewählt und formuliert?
  • Passten das Ziel und meine Anstrengungen energetisch und zeitlich zu den jetzigen Bedingungen?
  • Wo muss ich demnächst besser aufpassen?

Fragen die unausweichlich... zum nächsten Tapas führen!
Ich sagte doch: Tapas ist Leben! ;-)

P.S. Schau dir auch diese Artikel für andere interessante Sichtweisen zum selben Thema an:

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Montag, 17. September 2012

Blasphemy

AudioDharma

Es gibt wenigstens drei gute Grunde, Gil Fronsdal's letzten Vortrag Blasphemy vom 16.09.2012 aus dem mehr als empfehlenswerten Audiodharma-Podcast zu hören:

  1. Das Thema ist gerade jetzt relevant...

  2. ... und doch zeitlos;

  3. Er erklärt noch ausführlicher, was ich in meinem allerersten Artikel gesagt hatte.

Los! :-)

Montag, 9. Mai 2011

Müde vielleicht?

Müde

Auf deinem Weg zu den 10.000 Stunden ;-) wirst du vielleicht auf ein unerwartetes Hindernis treffen: Kaum hast du dein Ziel klar vor Augen und den Entschluss gefasst, einen Tick früher aufzustehen, überfällt dich eine unglaubliche Müdigkeit!

Zugegebenermaßen unfair :-), aber einerseits trifft das irgendwann jeden und andererseits deutet das nur auf ein Ungleichgewicht zwischen Input, Prozess und Output hin.

Wenn du also manchmal / oft / meistens (!) müde bist, geh die folgende Check-Liste durch und wende manche der Suggestionen an:

A Input

  • Isst du genug? Wenn die Antwort Nein! oder Ich weiß nicht! lautet, iss mehr! Achtung aber: Zu viel wird dich nicht vitaler ;-) machen, sondern nur fett ;-) / langsam / schwer und schließlich… müder!
  • Ernährst du dich ausgewogen und abwechslungsreich? Bekommst du alles, was du brauchst, aus deiner Nahrung? Versuch Lebensmittel zu minimieren / auszuschließen, die industriell verarbeitet sind und bring stattdessen mehr frische, einfache Sachen auf den Tisch!
  • Zu viel Input stört nicht nur auf deinem Teller, sondern auch mental: Hast du zu viel mentalen Input? Das kann von Telefongesprächen bis hin zu Aufgaben, die dich durch ihre Verantwortung oder emotionale Anteilnahme zu sehr stressen, reichen. Wenn doch, dann prüf, ob du diese delegieren kannst. Und gönne dir - regelmäßig oder wenigstens ab und zu - Stille / Yoga / Meditation!
  • Was hörst du für Musik? Wenn dich deine Musik zu sehr durchwühlt oder sogar depressiv macht, ersetze sie durch etwas, was dir Kraft, Power, Optimismus, Lebenslust induziert! Sag mir jetzt nicht, dass du so etwas nicht magst! ;-) Mach nur einen Test! Check mal, wie es dir nach eine Weile geht mit der neuen Musik!
  • Machst du Yoga? Wenn nicht (bzw. nicht genug), dann ist jetzt höchste Zeit (wieder) anzufangen! Yoga erlaubt dir, neue Energien anzuzapfen, die dich regenerieren werden!
  • Bist du oft genug draussen? Der Kontakt mir der Natur wird dir auch neue Impulse spenden!

B Prozess

  • Schläfst du gut? Ich frage nicht, ob du genug schläfst, weil dies höchst individuell sein kann - erholsamen Schlaf braucht aber jeder! Praktiziere mehr Shavasana vor dem Schlafengehen! Und wende Yoga Nidra an!
  • Prüf deine vorherrschenden Gedanken! Lass negative Gedanken nicht deinen Alltag verderben!
  • Ärgerst du dich oft? Wenn ja, meditiere öfter… und mach noch mehr Shavasana!
  • Verstärke das innere Feuer durch Uddiyana Bandha, Nauli Kriya und Pranayama!
  • Reinigst du dich periodisch? Unter Reinigung verstehe ich sowohl physisch, als auch mental (Shatkarma lässt grüßen ;-) Jeder Schmutz, sei es physisch oder mental, stellt Ballast dar, den du mit dir herum schleppst und der dich ermüdet. Wende also die Shatkarma-Techniken an und tue das regelmäßig, weil sich, unabhängig davon, ob du die Notwendigkeit der periodischen Reinigung verinnerlicht hast oder noch nicht, ständig Schmutz ansammelt.

C Output

  • Strengst du dich zu sehr an (physisch, mental, emotional)? Wenn das, was du machst, dich erschöpft - sei es, weil du das machen musst, sei es, weil du das machen möchtest (du, Masochist, du! ;-) - dann reduziere deine Anstrengungen!
  • Strengst du dich physisch zu wenig an? Auch wenn das zuerst komisch klingt: Fehlende physische Aktivität führt auch zu Müdigkeit. Ein wohl dosiertes Maß an physischer Anstrengung hält dich in Form - gehe / laufe / fahre Rad und mach das draußen, nicht indoor, so dass du dich dadurch nicht nur mehr bewegen wirst, sondern auch mehr raus kommst, in die Natur (s.a. oben)
  • Machst du etwas, was dir gefällt? Etwas, was dich erfreut und dich unter Umständen dazu bringt, die Zeit zu vergessen? Perfekt, mach öfter so etwas! ;-)

Lies auch dieser Artikel - vieles wiederholt sich, vieles aber nicht!

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Mehr Zeit gefällig?

Unendlich Zeit

Um überhaupt Zeit für alles zu haben, was du machen möchtest & so zu den 10.000 Stunden zu kommen, 2 Tipps:

  • Nutze zuerst die schon vorhandenen Zeit-Fenster, auch wenn sie u.U. kurz sind, sprich: Mach Yoga, wann immer du kannst! Wann immer du sitzt und es geht, sitz in einer Yogastellung. Atme bewusst, wenn du dich daran erinnerst! Mach Trataka, wann immer es geht / in Zeiten, in denen du warten musst. Meditiere auch so! Die dadurch gewonnenen Minuten summieren sich zu mehr Praxis-Zeit und - noch wichtiger! - helfen dir, bewusster mit deiner Zeit und deinen Zielen umzugehen. Und darum geht’s!

  • Zweitens: Steh früher auf! Du verpasst sonst eine der schönsten und ruhigsten Tageszeiten! Du muss nicht unbedingt ab morgen um 4 aufstehen - obwohl! ;-) - ein paar Minuten früher als sonst tun es auch und sie schaffen dir - wieder wichtig! - eine andere innere Einstellung!

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10.000 Stunden - die Grenze des Amateurismus

10000 Stunden

Ich habe einmal einen Artikel gelesen, in dem zwei Aikido-Meister verglichen wurden. Da ich den Artikel nicht mehr zu Hand habe, kann ich leider die Namen und Zahlen nicht genau wiedergeben, das tut aber der Botschaft des Artikels keinen Abbruch.

In diesem Artikel wollte man die effektiven Trainingsstunden der zwei Aikido-Meister vergleichen. Es wurden also die Stunden auf der Matte berechnet.

Bei dem ersten Meister, einem Amerikaner (glaube ich?!), haben sich infolge der 2-3 Tage pro Woche mit je 5-6 Stunden Training mindestens 10 Stunden Erfahrung pro Woche angesammelt.

Bei dem zweiten, einem Japaner (absolut sicher! :-), hat man entdeckt, dass er fast im Dojo gelebt hat! Er hat 7 Tage in der Woche ca. 10 Stunden am Tag trainiert, so dass er ohne Mühe zu mindestens 70 Stunden pro Woche kam und dadurch einen klaren Vorsprung im Vergleich mit dem ersten Aikido-Meister hatte.

Gehen wir von gleichen Ausgangsbedingungen aus, dann hätte der erste Aikido-Meister noch ca. 6 Leben gebraucht ;-), um den Level des japanischen Aikido-Meisters zu erreichen, vorausgesetzt der Japaner ändert irgendwann mal seinen Lebensstil und interessiert sich plötzlich gar nicht mehr für Aikido, sondern evtl. nur für Origami und Ikebana! ;-)

Jenseits von Sinn und Unsinn solcher Vergleiche kristallisiert sich hier eine Frage heraus, die durchaus auch in der Yogapraxis gestellt wird: Wann ist genug genug? Wann habe ich die magische Schallgrenze erreicht, wann habe ich soviel Erfahrung gesammelt, dass sie zu einer wirklich tiefen Veränderung führt, zu einer Lebensveränderung? Wann werde ich vom interessierten Amateur / unterstützenden Vereinsgebühr-/Beitragszahler zum waschechten Profi? ;-)

Malcolm Gladwell geht in seinem Buch Überflieger dieser Frage auf den Grund. In einer ausführlich dokumentierten Recherche relativiert er das hier oft zitierte Argument Talent / Begabung / Berufung und zeigt, dass darunter meistens (immer?!) eine Mischung aus gut gewähltem Zeitpunkt, Ambition, Leidenschaft / Interesse und schließlich Arbeit, sprich effektive Stunden auf der Matte :-) zu verstehen ist. Das ist das, was Bill Joy (einer der Gründer von Sun Microsystems), The Beatles und Bill Gates - um nur einige zu nennen, die in Überflieger genauer unter die Lupe genommen wurden - verbindet.

Den richtigen Zeitpunkt können wir womöglich selten kontrollieren und auch unsere Interessen liegen (z.T.!) außerhalb unseres bewussten Einflusses.

Was wir aber vollkommen in der Hand haben, ist die Menge Arbeit, die wir in das stecken, was uns am Herzen liegt.

So einfach ist das also: Wenn Du dich für eine Sache wirklich interessierst, mache sie, so intensiv wie du nur kannst! Das allein bringt Erfahrung und schließlich auch die Meisterschaft! Heutzutage ist es nicht unbedingt das Wissen, was den Meistern einen Vorsprung verschafft (auch wenn doch so mancher Meister unter dem Mantel der Tradition den Wissenstransfer verweigert, um künstlich geschaffene Machtstrukturen zu schaffen und zu erhalten oder einfach um sich Privilegien - nicht zuletzt finanzielle - zu schaffen!), sondern immer noch die besagten 10.000 Stunden, die nicht jeder bereit ist, für etwas zu opfern. Die 10.000 Stunden, wo probiert, geschwitzt und gebastelt wird, bis das Gelernte verinnerlicht und sich zu Eigen gemacht wird.

Fazit hier: Willst du etwas anderes, als das, was du heute erlebst, dann mach etwas anderes - und das so intensiv wie möglich und mehr, als nur einmal pro Woche :-) - als das, was du bis jetzt gemacht hast! Schieb nicht alles auf dein fehlendes Talent ;-), sondern erkenne und nutze lieber deine Chance!

Guck dir Michael Jordan’ Maybe it’s my fault an und hör auf, dir Gründe zu suchen! Fang einfach an!

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Sonntag, 17. April 2011

Sich selbst fühlen lernen - eine Erkenntnis

Aus gegebenen Anlass - ja, ich gucke dich an, Annette! ;-) - möchte ich an einige der Vorteile erinnern, die Yoga mit sich bringt.

Was bringt es, Yoga zu machen? Wir hatten das schon mal, oder?! Gesundheit, emotionelles Gleichgewicht, … Es sind aber auch manche Sachen, die eher auf der Meta-Ebene zu finden sind, und eine davon ist mein Thema heute: Sich selbst fühlen.

Wie kann das überhaupt durch Yoga kommen?
Direkt beim lernen von Asanas muss ich lernen, mich bzw. meinen Körper zu spüren, damit ich anschließend weiß, wie weit / lange / intensiv ich diese Stellung oder jene Technik überhaupt ausüben kann. Wenn es weh tut, kann ich sicherlich die Zähne zubeißen und weiter machen, aber nutzen tut das wenig.

Mit David Coulter’s Worte gesagt:

Achten Sie auf die Stimme des Schmerzes

Beachten Sie die Botschaften, die der Schmerz Ihnen sendet, oder ignorieren Sie sie? Wenn Sie Rückenschmerzen haben, modifizieren Sie Ihre Haltung und Ihre Aktivitäten entsprechend, oder beißen Sie einfach die Zähne zusammen? Und beobachten Sie stets mit aufmerksamen Respekt Ihren Körper, oder lassen Sie sich von einer schwierigen Aufgabe so vollkommen in Anspruch nehmen, dass Sie ihn ganz vergessen? Wer nicht auf die Botschaften seines Körpers hört, ist ein Kandidat für Muskelzerrungen, Sehnenentzündungen, eingeklemmte Nerven und Bandscheibenvorfälle. Um Verletzungen beim Hatha-Yoga zu vermeiden, müssen Sie für Ihren Körper Bewusstsein und Respekt entwickeln.
Am Beginn Ihres Hatha-Yoga-Programms sollte der Entschluss stehen, Schmerzen zu vermeiden. Wenn Sie nicht über Jahrelange Erfahrung verfügen und genau wissen, was Sie tun, und sich dennoch in eine schmerzhafte Dehnung zwingen, fordern Sie nicht nur Verletzungen heraus, sondern schaffen auch einen Zustand von Angst und Unruhe. Ihr Nervensystem wird diese Erinnerungen speichern und Ihre Versuche, die Haltung erneut einzunehmen, vereiteln. Der Schmerz ist eine Gabe - er teilt uns mit, dass ein Problem aufgetreten ist. Analysieren Sie die Art des Problems, anstatt die Übung gedankenlos abzuspulen. Mit Hilfe Ihrer Selbstwahrnehmung und der Anleitung eines kompetenten Lehrers können Sie auf andere Haltungen ausweichen, mit denen Sie die Schwierigkeit umgehen.

David H. Coulter - Anatomie von Hatha Yoga

Der Schmerz schützt uns vor Unfällen, das sollte offensichtlich sein - und doch passiert manchmal etwas!
Wann?
Immer dann, wenn ich - warum auch immer - nicht 100% dabei bin, voll konzentriert, mich fühlend! Immer dann, wenn die Verbindung zu mir irgendwie unterbrochen wurde und meine Aufmerksamkeit ausschließlich außerhalb von mir liegt.

Mit der Zeit lernt man - nur ein paar Tage / Wochen / Monaten (manche brauchen Jahre!) und Muskelrisse (Lehrgeld!) später werden wir aufmerksamer, sensibler, konzentrierter. Schmerz ist ein guter Lehrmeister! :-/

D.h. explizit, dass ich immer - beim Yoga Machen wie beim Essen, Arbeiten, Sprechen, Autofahren etc. - eine zweite Instanz von mir, einen aktiven Hintergrundprozess habe, die sich ständig fragt: Wie fühle ich mich jetzt? Wie fühlt sich das an, was ich gerade mache? Wie ist das, verglichen mit eben?

Das ist - meiner Meinung nach - einer der wichtigsten Sachen (wenn nicht sogar die Sache), die wir aus Yoga lernen sollten. Wenigstens so viel kann und sollte jeder Yogapraktizierende lernen: Fühlen, sich fühlen, ein Gefühl bekommen, für wie er / sie sich fühlt. Immer ein Vergleichszustand haben, ein State 0 - Referenzzustand und die Fähigkeit, den aktuellen Zustand einzuschätzen. Dies alles sagt mir, wie es mir heute geht und wie weit ich heute gehen kann - mit meinen Yogaübungen wie auch mit meiner Beziehung, Arbeit usw.

Werft abschließend ein Blick auf diesen Beitrag von Mark Forster - ein total anderen Blickwinkel, durchaus interessant!

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Montag, 22. November 2010

Am Anfang war das Licht

Am Anfang war das Licht

Gestern war ich im Kino: Am Anfang war das Licht im Glückaufhaus in Essen. (Danke für den Tipp, Ellen! :-)

Thema des Films war Lichtnahrung. Der Film beschreibt auf unkomplizierte Weise den Zugang & Umgang des Regisseurs P.A.Straubinger, ein Reporter des österreichischen Radiosenders Ö3, zu bzw. mit diesem Subjekt und mit unterschiedlichsten Menschen, die sich nicht mehr normal, so wie du und ich, ernähren, sondern gar nicht (!). Der Film ist durchaus sehenswert, aber ich werde jetzt nicht über das eigentliche (auch wenn sehr interessante) Thema des Films sprechen, sondern nur über eine Frage, die mir dabei in den Sinn kam.

Hier zuerst ein paar Hintergrundinformationen.

  • Prof. Dr. Anton Luger, ein österreichischer Arzt, international anerkannter Stoffwechselexperte und Leiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel an der Medizinischen Universität Wien ist fest davon überzeugt, dass der Verzicht auf Nahrung über längere Zeit zum Tod führt. Auf Trinken zu verzichten würde dies nur noch beschleunigen.

  • Der indische Yogi Prahlad Jani lebt seit mehr als 7 Jahrzehnten (!) ohne jegliche Nahrung. Nicht mal Wasser nimmt er zu sich! Er liess sich sogar 10 Tage in einem modernen Krankenhaus, unter strengster Beobachtung (das klare Ziel war, ihn als Scharlatan zu entlarven!) einweisen. Die Ärzte haben alle möglichen Tests mit ihm gemacht - von Blutanalysen und Röntgenaufnahmen bis hin zu Computertomographie - und schließlich akzeptieren müssen, dass er ein Rätsel für die heutige Medizin darstellt.

Jenseits dieses offensichtlichen, anerkannten Wunders fragte ich mich: Wer hat hier Recht :-), der österreichische Arzt oder der indische Yogi?

Beide haben Recht! Beide leben das, was sie glauben. Paracelsus sagte in den 15. Jahrhundert: So wie der Mensch sich in seiner Vorstellung sieht, so wird er sein. Und er ist so, wie er sich selbst in seiner Vorstellung sieht. und auch Henry Ford formuliert 5 Jahrhunderte später genau das Gleiche so: Egal ob du daran glaubst, dass du es schaffst oder ob du glaubst, dass du es nicht schaffst, du wirst auf jeden Fall recht behalten!.

Es ist keine Frage, welche Alternative besser ist - besser im Sinne von mehr Freiheitsgrade geben - darum ging’s mir nicht, sondern um die Art, wie wir ständig unsere Realität selber erschaffen.

Auch der österreichische Arzt würde zweifellos gerne mehr Freiheitsgrade haben - nur muss er dafür etwas machen, was er nicht kennt / kann / möchte. Das Wissen und die Bereitschaft, das, was wir wissen, zu tun und zu leben, wirkt als Filter unserer Realität und grenzt so unsere Freiheitsgrade ein. Sogar mehr als das: Es filtert nicht nur das, was wir erleben, sondern bestimmt den künftigen (Ver)Lauf unseres Lebens in dieser unserer Realität (s.a. die Filme The Butterfly Effect & What The Bleep Do We Know).

Der indische Yogi zeigt eindeutig, dass es auch eine andere Realität gibt, die genauso handfest ist wie unsere normale Welt.

Wie genau bestimmen wir unsere Realität & Leben durch unsere Glaubenssätze? Und wie läuft so etwas bei einem Yogi?! Nehmen wir ein konkretes Beispiel!

Ich höre etwas, was mich interessiert (Yoga tut gut, oder konkreter Uddiyana Bandha heilt eine Vielzahl an Krankheiten oder esoterischer ;-) Vipassana-Meditation führt zu innerer Ruhe und Erlösung)… es ist zuerst eine inkomplette Information, ein Schnipsel, eher nichts und gleichzeitig alles sagend. Es ist aber etwas, was mich irgendwie anzieht, worüber ich noch mehr wissen möchte. Es ist nur eine Annahme, deren Wahrheitswert ich noch gar nicht geprüft habe, bei der ich aber entscheide, dass es Wert ist, mehr in der Richtung zu forschen.

Was dann?

Ich fange an zu lesen, zu googlen, zu fragen. Ich sammle Informationen, wo immer ich kann. Ich fülle die elliptischen Sätze von eben mit mehr Leben, ich baue ein kohärenteres Gebilde, das Ganze gewinnt mehr und mehr an Substanz. Es ist aber immer noch nur ein Modell, ohne jegliche praktische Relevanz für mein Leben. Wenn ich hier stoppe, bleibt das Ganze - einmal mehr - nur intellektuelles Wissen. Ich kann dann nur oberflächlich darüber reden :-) und es hat immer noch wenig Chance, meine Realität zu verändern.

Dafür muss ich noch einen entscheidenden Schritt unternehmen: Ich muss es machen!

Nachdem ich alles erforscht und untersucht habe, nachdem ich weiß, wie und wann man das tut, nachdem ich mir kompetente Hilfe geholt habe (noch mal zu den Beispielen oben: in Form eines Yogakurses, oder Yogabuches oder Meditationsretreats), muss ich anfangen es anzuwenden / auszuüben!

Um zu den Beispielen zurückzukehren: Ich beginne Yoga zu machen oder übe Uddiyana Bandha bzw. gehe in ein Vipassana-Meditations-Kamp.

Nur so gehe ich diesen essentiellen Schritt weiter und schaffe die Voraussetzungen dafür, dass das Gelernte sich auch in meinem Leben manifestiert. Ansonsten erzähle ich mein Leben lang nur über das, was andere erreicht haben!

Und wenn ich so etwas ehrlich, regelmäßig, über längere Zeit praktiziere (Yoga, Uddiyana Bandha, Vipassana etc.), dann verändert sich auch meine Realität: Ich fühle mich anders, agiere anders, denke anders. Natürlich ist das zuerst subjektiv, intern, fast nicht wahrnehmbar. Es ist auch nicht unbedingt ein Bruch, sondern eine ständige Erweiterung der alten Realität (so gesehen ist die Realität des österreichischen Arztes eine Untermenge von der des indischen Yogis - keine andere Realität, sondern nur ein Teil von etwas Größerem). Und wenn das sogar von anderen deutlich wahrgenommen werden kann - so wie im Falle des indischen Yogis - spätestens dann ist das ein Zeichen, dass diese, meine subjektive Realität an Objektivität gewonnen hat :-)

P.S. Noch esse ich. Trinken tue ich auch. Noch. ;-)

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Montag, 1. November 2010

Wirklich täglich? Nichts Geringeres als das!

Und täglich grüßt das Murmeltier

Ich habe im vorherigen Artikel gesagt, dass die tägliche Praxis essentiell ist.

Meinst du wirklich “täglich”? D.h. doch jeden Tag! Das kann doch nicht dein Ernst sein oder?! Ab und zu hast du vielleicht auch mal keine Lust mehr, Yoga zu machen… oder gerade etwas Besseres zu tun!

Aber ich meine es tatsächlich wirklich :-) täglich! Tag ein, Tag aus - keine Ausnahmen!

Ist das überhaupt realistisch? Kann man überhaupt irgendetwas täglich, ein ganzes Leben lang machen?

Ich denke schon! Wir machen einiges täglich: Essen, trinken, uns waschen (über Zähneputzen haben wir schon genug gesprochen ;-)… warum sollte Yoga nicht genauso oft gemacht werden?! Warum fragen wir uns nie: Muss ich wirklich auch heute essen?! Das ist doch eine Qual - vielleicht habe ich heute gar keinen Bock zu essen!, stellen aber unsere Yogapraxis immer wieder in Frage? Darum ging es auch in meinem letzen Artikel.

Kann es sein, dass nur du so “extrem” bist?

Ich denke wirklich, dass das nicht der Fall ist.

Swami Shivananda Saraswati sagte einmal, dass er nicht einen einzigen Tag seine Yogapraxis, auf Grund der tiefgreifenden physischen und psychischen Wirkungen, die diese auf ihn hat, missen möchte.

Und H. David Coulter erklärt in seinem einzigartigen Buch Anatomie des Hatha Yoga, warum das sogar aus anatomischer Sicht Sinn macht - dazu mehr im nächsten Artikel.

Ich kenne auch genug andere absolut normale Menschen die seit Jahren täglich Yoga machen.

Es gibt unzählige Faktoren, die dazu führen, dass wir aus dem Gleichgewicht geraten: Der tägliche Stress, die Müdigkeit, die ständige Informationsflut, eine unaufmerksame und unausgewogene Ernährung, Umweltgifte, zu wenig Bewegung usw. Das zweite thermodynamische Prinzip - Die Entropie wächst in jedem System - gilt auch in unserem Leben… schließlich gewinnt die Entropie dieses Match früher oder später, nämlich dann, wenn unser Körper total in Unordnung versinkt und wir sterben.

Darum: Jeder Versuch, diese Chaos-Tendenz durch Yoga zu kontern, lindert Schmerz, heilt Wunden, schafft - magisch! - Ordnung, Ruhe, mehr Raum und Zeit.

Wie genau meine tägliche Yogapraxis aussieht, dass ist eine andere Frage. Das gestaltet sich abhängig von langfristigen Zielen und passt sich momentanen / akuten Bedürfnissen ständig an, so dass keine Langeweile aufkommen kann. Hauptsache täglich!

Folge also dem Beispiel der Schildkröte aus der Achilles Fabel: Mach’ täglich einen Schritt, egal wie klein oder langsam, und du wirst auch den größten Herausforderungen in deinem Leben gewachsen sein. Dieser kleine tägliche Schritt gibt dir auch die Sicherheit, dass du noch lebst, dass du etwas für dein Leben machst, dass du dich nicht - nie! - aufgibst. Das wird dich physisch und psychisch zugleich stärken: Du bestätigst dadurch jeden Tag, dass du kannst, dass du willst, dass du weißt, wie, und dass du dementsprechend handelst. Und auf dieses Fundament stellst du deine Praxis, mit dieser Sicherheit schreitest du voran: Jeden Tag neu, jeden Tag intensiver.

Deine tägliche Yogapraxis wirkt wie ein Tropfen Lebenselixier – koste wirklich jeden Tag davon!

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Sonntag, 24. Oktober 2010

Yoga = Zähneputzen?!

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Jeder von uns hat eine eigene tägliche Routine. Darunter fallen nicht unbedingt die spannendsten Sachen aus unserem Leben, aber auf alle Fälle die, die wir als absolut notwendig betrachten.

Ein banales Beispiel dazu: Zähneputzen! Wer kann behaupten, beim Zähneputzen in Entzückung zu geraten?! Banal? Auf alle Fälle! Es stellt gleichzeitig auch eine Notwendigkeit dar - so dass wir das täglich tun und fertig!

Manch solche Sachen erscheinen uns irgendwann sogar als eine tägliche Qual (“Mama, muss ich WIRKLICH die Zähne putzen? Auch heute?!” :-), aber sie sorgen schließlich dafür, dass wir optimal funktionieren, dass wir spätere Probleme vermeiden. Es sind schließlich Langzeit-Strategien, um besser zu leben - wir lernen sie und irgendwann machen wir das quasi-automatisch, ohne es zu merken.

Optimal ist relativ und subjektiv zugleich, so dass es kleine Unterschiede zwischen diesen täglichen Routinen bei jedem von uns gibt. Auch ein Grund, warum manche von uns vielleicht besser funktionieren als andere.

Wozu dieser Einführung?

Um eine Idee zu formulieren: Yoga sollte nicht nur eine tägliche Beschäftigung einer bestimmter Menschengruppe (= Yogis) bleiben, sondern genauso normal erscheinen wie Zähneputzen! Zu oft wird Yoga als eine Tätigkeit für’s Wochenende angesehen, verschoben für den Urlaub und eher als Wellness betrachtet!

Dafür solltest Du nicht vergessen, dass Yoga - so wie andere innere Methoden - eine Methode zur Erhaltung der physischen, mentalen und nicht zuletzt sogar spirituellen Hygiene ist, auch wenn es heutzutage eher als eine exotischere Sportart angesehen wird.

Jede Auslassung/Vernachlässigung von Yoga führt so zu einem sofortigen Schaden, der u.U. erst später wahrgenommen wird, wenn wir das Zahnweh spüren.

Natürlich stößt jede Analogie gezwungenermaßen irgendwann an ihre eigenen Grenzen, so dass ich nicht generalisieren möchte. Jenseits jeglicher sofort sichtbarer Unterschiede zwischen Yoga und sagen wir Zähneputzen (!) gibt s durchaus auch einige interessante Parallelen:

  • Beides sollten wir täglich machen! Du profitierst mehr davon, wenn du Yoga täglich übst, als wenn du dir nur ein-zwei Mal in der Woche Zeit dafür nimmst. Wer würde auf die Idee kommen, nur zwei Mal pro Woche die Zähne zu putzen?! Beim Yoga tendieren wir eher doch dazu, seltener zu üben… vielleicht auch deswegen, weil die Zähne - das Äußere - zuerst näher scheinen als das Innere… oder vielleicht nur weil wir das Zähneputzen schon so lange praktizieren. Merk dir bitte: Unsere tägliche Routine is oft diejenigen, die die stärkste Wirkung auf unseren Wohl hat.

  • Beides scheint am Anfang eine Qual! Genauso wie die Frage am Anfang - “Muss ich auch heute die Zähne putzen?!” - höre ich als Yogalehrer immer die Anfänger-Frage “Wie lange muss ich die Technik X machen?”. Wir machen diese Technik X als Erwachsener liebend gerne… insbesondere dann, wenn sie nach kurzer Zeit die Ergebnisse zeigt, so dass wir sie anschließend nicht mehr praktizieren müssen! ;-)

  • Beides braucht Zeit! Wir nehmen uns Zeit für so viele Sachen, die auf lange Sicht bei weitem nicht so essentiell auf uns wirken wie Yoga - Überdenken wir das!

  • Beides klingt nach Muss, Drill, Disziplin, Zwang! Vielleicht nur am Anfang (aller Anfang ist schwer!)… ich denke, es ist eher eine Frage der Optik (s.a. nächster Punkt).

  • Beides führt - wenn lange Zeit vernachlässigt oder sogar ganz vergessen - zu Schmerz! Tiefem, blanken Schmerz! Wenn das nicht motiviert! ;-)

  • Beides ist leicht durchzuführen! Jeder kann Zähne putzen, und so kann auch jeder Yoga machen, vielleicht nicht alles vom Anfang an, deswegen sind die meisten Yogatechniken so konzipiert, dass wirklich jeder sie in einem gewissen Grad ausüben kann, auf alle Fälle wenigstens so viel, dass sie effektiv sind.

So gesehen: Integriere Yoga in deinem täglichen Programm, in deiner täglichen Routine. Mach daraus etwas ganz Normales… wenigstens so normal wie Zähneputzen! ;-)

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Montag, 11. Oktober 2010

Prüfe deine innere Einstellung

Buddha Eyes

”(…)
Glaubt nicht an irgendwelche Überlieferungen, nur weil sie für lange Zeit in vielen Ländern Gültigkeit besessen haben.
Glaubt nicht an etwas, nur weil es viele dauernd wiederholen.
Akzeptiert nichts, nur weil es ein anderer gesagt hat, weil es auf der Autorität eines Weisen beruht oder weil es in einer heiligen Schrift geschrieben steht.
Glaubt nichts, nur weil es wahrscheinlich ist.
Glaubt nicht an Einbildungen und Visionen, die ihr für gottgegeben haltet.
Glaubt nichts, nur weil die Autorität eines Lehrers oder Priesters dahinter steht.
Glaubt an das, was ihr durch eigene lange Prüfung als richtig erkannt habt, was sich mit eurem Wohlergehen und dem anderer vereinbaren lässt.
(…)”

Eine der unzähligen Übersetzungen des Kalama Sutta von Buddha.

Stütze dich auf deine Erfahrungen aus der eigenen Praxis. Sie zeigen dir ständig, wie weit du eigentlich gekommen bist. Sie geben dir ein direktes, genaues Feedback. Sie sind greifbar.

Reflektiere ständig über deine Praxis. Schalte nicht auf Autopilot, fall nicht in die tägliche Routine. Verankere dich lieber in der Frische, der Neugier, der Magie der ersten Yogastunde.

Bleib wach!

Resigniere nie!

Lehne nichts automatisch ab, sei offen, aber akzeptiere nichts blind.

Durch Yoga sollst du deine Augen öffnen und deine Unterscheidungskraft stärken. Nutz diese, und nicht - bei allem nötigen Respekt! - die Augen oder die Unterscheidungskraft anderer.

Vertraue auf dich!

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